Tumore millimetergenau orten

Schonend und präzise gegen Krebs: Beim "Ratgeber Gesundheit" hat Dr. Matthias Hipp die moderne Strahlentherapie vorgestellt. Gehandelt werde aber nie nach Schema F.

Die Strahlentherapie hat sich laut einer Pressemitteilung des Klinikums St. Marien in den letzten Jahrzehnten rasant weiterentwickelt und ist heute präziser und schonender denn je. Dr. Matthias Hipp erlärte beim "Ratgeber Gesundheit", wie genau die unsichtbaren Strahlen im Kampf gegen Krebs eingesetzt werden, welche technischen Geräte den Medizinern heute zur Verfügung stehen und welchen konkreten Nutzen bringt das für die Patienten bringt.

Eine tragende Säule

"Zusammen mit der chirurgischen Tumorentfernung und der medikamentösen Behandlung bildet die Strahlentherapie eine tragende Säule im Kampf gegen Krebs", sagte der Chefarzt der Klinik für Strahlentherapie von St. Marien. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit sei wichtig: "Unter dem Dach des Onkologischen Zentrums bündeln wir unser Wissen und stimmen die optimale Behandlung für jeden Patienten ab. Einmal wöchentlich treffen wir uns in großer Runde zur Tumorkonferenz, in der jeder Patient vorgestellt wird."

Individuell angepasst

Art und Reihenfolge der Therapie seien von vielen unterschiedlichen Faktoren abhängig, die im Vorfeld abgeklärt werden müssten: Wo liegt der Tumor? Welche Nebenerkrankungen sind bekannt? Gibt es bestimmte Wünsche des Patienten? "Wir handeln nie nach Schema F, sondern passen die Behandlung ganz auf die Bedürfnisse unserer Patienten an und beziehen auch soziale Komponenten mit ein." Erst nach Beantwortung der Fragen entscheide das Expertenteam, ob die Bestrahlung in Kombination mit anderen Therapien, also multimodal, erfolgt oder alleine.

Anhand einer Statistik der Deutschen Krebsgesellschaft veranschaulichte Dr. Hipp, dass die Strahlentherapie im Kampf gegen Krebs immer mehr an Bedeutung gewinnt. Grund dafür sei unter anderem der enorme technische Fortschritt. Tumore könnten heute dank modernster Bildgebung millimetergenau geortet und gezielt bestrahlt werden. "Bei der Strahlentherapie schädigen wir gezielt bösartiges Gewebe", erläuterte Hipp. Je kleiner das Zielgebiet sei, desto wichtiger sei es, den Patienten bei jeder Bestrahlung in die exakt gleiche Position zu bringen. Hipp schilderte, dass bei Enddarmkarzinomen Patienten mit dem Bauch nach unten auf einem sogenannten Lochbrett liegen.

Routinemäßig werde bei bestimmten Tumorlokalisationen die Strahlentherapie "bildgeführt" eingesetzt: "Wir lagern die Patienten dabei genau so, wie zuvor im CT geplant, und gleichen die Position vor und während der Behandlung exakt mit dem erstellten Therapieplan ab."

Erst wenn beide CTs deckungsgleich seien, werde bestrahlt. "So stellen wir sicher, dass gesunde Regionen geschont werden." Um Veränderungen der zu bestrahlenden Regionen zu reduzieren, würden Hilfsmittel wie Masken aus Thermoplast oder Vakuum-Matratzen eingesetzt.
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