Über aller Kanone

Ein Kommen und Gehen herrschte am Freitagabend im Wingershofer Tor. Die Amberger Stadtwache feierte ihr 20-jähriges Bestehen. Bild: hrs

Zum 20. Geburtstag der Stadtwache gab es einen lauten Donnerschlag: Endlich soll die kaputte Kanone repariert werden. Als Spenderin hat sich eine Politikerin gefunden, die längst als Mutter der Kompanie gilt.

Die CSU-Bundestagsabgeordnete und Stadträtin Barbara Lanzinger übernahm bei der Feier zum 20-jährigen Bestehen quasi die Patenschaft für die Kanone. Sie habe gehört, dass das gute Stück nicht mehr im besten Zustand sei, sagte sie beim Festakt im Wingershofer Tor. Deswegen verspreche sie, sich um die Instandsetzung zu kümmern.

Humpen für Gelage

Auch OB Michael Cerny war nicht ohne Geschenk gekommen. Er hatte einen großen Humpen "für künftige Gelage" mitgebracht. Cerny war gleich nach seinem Amtsantritt zum Obristen der Stadtwache ernannt worden. Hauptmann Walter Hellmich sagte, er freue sich außerordentlich über die Geschenke. So sei die Stadtwache gerüstet für die Aufgaben der nächsten Jahre.

Zur Feier ließ die illustre Truppe ein Theaterstück aufführen. In dem Schauspiel namens "Pflasterzoll" ging es um das Leben der Soldaten vor vielen Jahrhunderten. Sie hatten im Mittelalter nicht nur eine gewisse Macht, sondern konnten - zumindest in Friedenszeiten - auch ganz gut leben. Ihre Aufgabe bestand darin, die Stadt vor Unbill zu bewahren und alle Einreisewilligen gründlich zu kontrollieren. Denn es gab auch "Gesindel", das die Bürger nicht innerhalb der Stadtmauern haben wollten. Gerade die befestigten Städte gewannen im Laufe der Zeit immer mehr an Einfluss. Für die Kaiser, die in der Regel mit einer relativ kleinen Hausmacht ausgestattet waren, war die Loyalität der Städte deswegen von großer Bedeutung.

Amberg kann ein Lied davon singen: Seinen Aufstieg hat die Stadt an der Vils Kaiser Ludwig dem Bayer zu verdanken, der einmal gesagt haben soll: "Die Amberger sind mir von allen Untertanen die liebsten." Nach dem einführenden Stück um den Pflasterzoll begrüßte Hauptmann Walter Hellmich noch die Gäste eines weiteren Vereins, der sich der möglichst authentischen Wiedergabe des Lebens im Mittelalter verschrieben hat: Cantus Ferrum. Danach ließ Ehrenmajor Josef Lettl, der selbst lange Jahre Kommandant der Stadtwache war, 20 Jahre Vereinsleben Revue passieren.

Zuhause im Tor

Seit der ehemalige Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer das Wingershofer Tor als Vereinsheim zur Verfügung gestellt hat, residiert der Verein auf historischem Boden. Das kleinste der Amberger Tore ist ein Renaissancebau von 1580. Der Vorgängerbau ist noch heute als Ruine an der Südostecke des Kurfürstlichen Schlosses erhalten geblieben.
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