Überhaupt keine Tortur

Gerald Stelzer, einer der drei Gesellschafter des Hotels Fronfeste, hatte in die Torturstube eingeladen: Dort stellte Hannelore Zapf, SPD-Stadträtin und langjährige Stadtführerin, ihre Dokumentation über die Geschichte des Hauses vor und ließ die Fronfeste erzählen. Dies war alles andere als eine Qual für die geladenen Gäste. Bild: Steinbacher

Es war eine Tortur - aber ausdrücklich gewollt. Schlimm war's nicht. Dafür umso interessanter. Und am Ende war wieder alles gut. Hannelore Zapf ließ die Fronfeste erzählen. Und das ist einiges.

Gerald Stelzer, Besitzer des Hotels Fronfeste, spannte die Gäste ganz schön auf die Folter. Mitnichten verriet er, welche Tortur ihnen bevorstand. Er bat lediglich in die Torturstube zu einer "peinlichen Befragung" mit Hannelore Zapf - und wüschte dabei "viel Spaß". Doch bange werden musste keinem. Die SPD-Stadträtin und langjährige Stadtführerin hat sich vielmehr die Mühe gemacht, die Geschichte der Fronfeste zu recherchieren. Dank einer Leader-Förderung ist daraus die Publikation "Die Fronfeste erzählt" entstanden, die zu einem "Streifzug durch ein Kapitel Stein gewordener Justizgeschichte" einlädt.

Idee zur Dokumentation

"Bevor ich zum ersten Mal in die Fronfeste kam, ahnte ich nichts von meinem späteren Schicksal", sagte Zapf und betonte, dass sie sich freiwillig dorthin begeben habe. Das Gebäude habe sie schon als Kind gekannt, ihr Schulweg führte daran vorbei. Und ihr Großvater war Aufseher in diesem Gefängnis. Ihr Vorhaben, eine Dokumentation über die Fronfeste anzufertigen, deckte sich mit der Idee von Gerald Stelzer, der Ähnliches im Sinn hatte.

Und so kam es, dass die Stadtführerin viele, viele Stunden sowohl im Staats- als auch im Stadtarchiv verbrachte, um die Geschichte des Hauses zu recherchieren. Sie las, wie sie selbst sagte, "Stapel vergilbter Briefe mit zerfransten Rändern und roten Siegeln". Allen, die zuhörten, was die Fronfeste zu erzählen hat, gab sie eine Kostprobe der Schriften, in denen Rechtschreibung, Grammatik, Groß- und Kleinschreibung und Zeichensetzung "jeweils nach Gusto" erfolgten. Heute sei die Fronfeste ein "Event-Wohlfühl-Hotel". Ein Lob hatte Zapf für die drei Gesellschafter, Gerald Stelzer, Peter Voss und Thomas Roidl, parat: "Ihnen sei es gelungen, ihre eigene Aura auszubreiten und damit die Atmosphäre des Hauses umzudrehen".

Ein Bild für die Fronfeste

Die frühere SPD-Stadträtin Ingrid Lay sorgte noch für eine Überraschung. Sie überreichte Stelzer ein gerahmtes Foto, das die Amberger Guillotine mit Fallbeil zeigt. "Ich hab's geschenkt bekommen und ich mag's bei mir nicht aufhängen", sagte sie. Stelzer hingegen war sichtlich erfreut über dieses Geschenk. "Die Tortur ist hiermit beendet", verkündete Hannelore Zapf. Danach durften die Gäste in dem querformatigen Heftchen schmökern und nachlesen, was die Fronfeste zu erzählen hat.
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