Umtriebe nicht totschweigen

Symbolbild: dpa

Die Neonazi-Szene ist auch in Amberg aktiv. Das ist nicht erst seit der Schmier-Attacke auf den City-Grill im Januar bekannt. Erst vor wenigen Tagen waren die Rechtsextremen wieder in der Stadt unterwegs.

Laternen und Schilder entlang des Radweges zwischen Amberg und Kümmersbruck sind mit Aufklebern verunstaltet, die Parolen und Erkennungszeichen der Neonazis tragen. Auf welche Art und Weise die Rechtsextremen kommunizieren und welche verschlüsselten Signaturen sie verwenden, darüber referierte Birgit Mair am Donnerstagabend im Paulaner-Gemeindehaus.

"Neonazis versuchen immer wieder ihre kruden Botschaften zu verklausulieren", sagte die Mitbegründerin des Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung in Nürnberg. So laute die Liedzeile einer Neonazi-Band zum Beispiel: "Zeig mir, wie hoch der Weizen wächst!" Für Außenstehende klinge dieser Satz völlig harmlos. Gesungen auf einem Konzert der Rechtsextremen bedeute er aber eine unverhohlene Aufforderung zum Hitlergruß. Die Neonazis müssten dem Aufruf gar nicht folgen. Es reiche, wenn sie an dieser Stelle frenetisch jubeln, um ihrer Gesinnung Ausdruck zu verleihen. "Das ist halt alles nicht strafbar", erklärte die Sozialwissenschaftlerin.

Den Treffpunkt blockiert

Mair beobachtet die nordbayerische Szene seit Jahren intensiv. Sie hat festgestellt, dass die Versuche, rechtsextremes Treiben totzuschweigen, überall gescheitert sind. Schwer auf die Nase gefallen sei die mittelfränkische Stadt Scheinfeld im Oktober 2013, als der Bürgermeister die Öffentlichkeit nicht über ein bevorstehendes Neonazi-Treffen informiert habe. Die Folge sei gewesen, dass rund 1000 Rechtsextreme die etwa 4700 Einwohner zählende Kommune heimgesucht und ihre Hasstiraden ungestört verbreitet hätten. "Weil es für sie so gut gelaufen ist, haben die Neonazis gleich ein weitere Zusammenkunft in der Stadt angekündigt." Beim zweiten Mal allerdings hielt die Stadtverwaltung nicht hinter dem Berg. Rund 2000 Bürger blockierten dann im Mai dieses Jahres den geplanten Veranstaltungsort. "Der Neonazi, der das Treffen organisiert hatte, war der Buhmann der Szene. Auch der finanzielle Schaden für ihn war enorm."

Mair wies darauf hin, dass seit 1990 in Deutschland 184 Menschen durch rechtsextreme Gewalt gestorben seien. Sie erinnerte auch an den Brandanschlag auf das Habermeier-Haus in Schwandorf, bei dem 1988 drei Mitglieder einer türkischen Familie und ein Deutscher starben und an den Fall Klaus Peter Beer in Amberg. Neonazis hatten den Mann 1995 wegen seiner Homosexualität auf dem Vilssteg beim Pfalzgrafenring zusammengeschlagen und in den Fluss geworfen. Dort ertrank er.

"Dass sich Neonazis immer wieder zu Wort melden, haben auch die Schmierereien im Januar in der Amberger Altstadt gezeigt", sagte Mair. Damals wurde der City-Grill in der Georgenstraße mit mehreren Hakenkreuzen und übelsten rassistischen Beleidigungen verunziert. Die Nürnbergerin hat ein Buch über "Strategien gegen Neonazismus und Rassismus unter besonderer Berücksichtigung der Jugendarbeit" geschrieben, das im Internet kostenlos zum Download bereitsteht.
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