Uniformierte Musiker haben nicht nur Vorweihnachtliches im Programm - Erlös für ...
Polizei-Orchester bringt Gänsehaut-Faktor in den Saal

Das Polizeiorchester Bayern gab im Kongregationssaal ein Benefizkonzert. Dirigent Anton Zapf (rechts) lotste die Musiker kraftvoll und souverän durch den Abend, der mit zwei Zugaben endete. Bild: Hartl
Im Kalender des Bayerischen Polizeiorchesters ist Amberg mittlerweile traditionsgemäß im Advent eingetragen. Denn da kommen die uniformierten Musiker auf Einladung des Rotary Clubs für ein Wohltätigkeitskonzert an die Vils. Über den Erlös des Auftritts können sich in diesem Jahr die Kindertagesstätten der Pfarrei St. Georg freuen. Allerdings stand diesmal weniger Vorweihnachtliches auf dem Programm. Das Orchester unter der Leitung von Maestro Anton Zapf brachte vielmehr anspruchsvolle Partituren aus der klassischen Musik mit.

Weniger bekannte Werke

Den Auftakt bildeten zwei weniger bekannte Werke. Zum einen eine Toccata des italienischen Barockmeisters Girolamo Frescobaldi, die, ursprünglich für die Orgel geschrieben, im opulenten Bläsersatz eine ganz besondere Wirkung erzielte. Als zweites ein zeitgenössisches Werk des Belgiers Jan van der Roost, der sich bei einem Besuch der englischen Kathedrale zu seinen Canterbury Chorals inspirieren ließ. Van der Roost gehört zu den Komponisten, die vor allem nichtmusikalische Eindrücke in Noten zu fassen versuchen, was ihm bei den Canterbury Chorals ganz hervorragend gelang, so dass sich die Zuhörer im Kongregationssaal in das mittelalterliche Gotteshaus versetzt fühlen konnten.

Es folgte die Ouvertüre zu Engelbert Humperdincks Oper "Hänsel und Gretel", die in allen großen Häusern gerade in der Vorweihnachtszeit aufgeführt wird. Dieses von eingängigen Melodien und von außergewöhnlicher musikalischer Prachtentfaltung geprägte Vorspiel zu dem gleichnamigen Märchen interpretierten die Musiker des Polizeiorchesters auf eine derart mitreißende Weise, dass niemand im Saal das Fehlen der Streichinstrumente bedauerte.

Ein Saitenkünstler hatte sich aber in die Meister des Blechs und des Holzes verirrt. Und ihm sei hier an dieser Stelle besonderer Respekt gezollt. Durch den engagierten Einsatz des Herrn am Kontrabass erhielt der Gesamtklang sein Tüpfelchen auf dem i. Mit seinen tiefen Saitentönen erfuhren die gespielten Werke einen weichen, runden Charakter. Für das nächste Stück blieb das Polizeiorchester im Bereich der Oper. Aus Richard Wagners "Lohengrin" stand "Elsas Einzug in die Kathedrale" auf dem Programm. Falls im Publikum Musikfreunde saßen, die bisher Wagners Werke als zu bombastisch, zu komplex oder aus anderen Gründen ablehnten, wurden sie hier eines Besseren belehrt. Der Bayreuther Meister war auch ein Könner auf dem Gebiet der leisen und lyrischen Klänge, wie sie das Polizeiorchester sehr einfühlsam interpretierte.

Als großer Wagner-Verehrer ist Anton Bruckner bekannt. Als Finale des Konzerts hat Maestro Anton Zapf den dritten Satz, das sogenannte "Jagd-Scherzo" aus dessen 4. Sinfonie, ausgewählt. Druckvoll gespielte Hörner wechselten mit den sanften Tönen des Trios ab und setzten das Publikum durch die höchst differenzierte Dynamik des Werks einem Wechselbad von Klängen aus, das einfach nur begeisterten Applaus provozierte.

Opernfinale par excellence

Dieser Zuspruch zeitigte Erfolg. Denn das Bayerische Polizeiorchester hatte noch ein ganz besonders hörenswertes Werk in der Notenmappe: Richard Wagners "Pilgerchor" aus der Oper Tannhäuser. Plastisch dargestellt, leise aus der Ferne heranziehend, der "Gesang" allmählich anschwellend, bewegten sich die Pilger auf den Ort des Bühnengeschehens zu, um dann unüberhörbar von dem Wunder in Rom zu berichten und damit Tannhäusers Erlösung zu verkünden. Ein Opernfinale, wie es wohl kein zweites gibt, mitreißend und eindringlich das übersinnliche Geschehen in Noten gesetzt - ein Werk mit Gänsehaut-Faktor.

Vielleicht liegen diese herausragenden Wagner-Interpretationen am Genius Loci, denn Anton Zapf ist in der Nähe von Bayreuth geboren und aufgewachsen. Als zweite Zugabe und zugleich Abschluss des hochkarätigen Konzerts wurde es dann doch noch weihnachtlich.

Mit dem als Adventslied bekannten "Tochter Zion, freue dich" aus Georg Friedrich Händels Oratorium "Judas Maccabäus" nahm ein musikalischer Abend sein Ende, der wohl niemanden der Zuhörer im Kongregationssaal unberührt ließ.
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