Ventilator unter dem Nordpol

Kein Insektenbekämpfer und auch kein Minion, sondern der Reisefieber-Gackl ist auf Ambergs Straßen unterwegs. Bild: Huber

Es trägt die Last eines ganzen Erdballs auf seinen Schultern - das gelb-blaue Männlein, das seit ein paar Tagen in der Fußgängerzone für Aufsehen sorgt. Die AZ-Redaktion wollte wissen, was es mit dem wandelnden Globus auf sich hat und wie heiß es nun tatsächlich im Erdinneren ist.

(lde/wpt) Während die Sonne unbarmherzig auf den Nordpol brennt, dreht sich darunter ein kleiner Ventilator - der junge Mann, der in dem farbenfrohen Kostüm immer zwischen 10 und 14 Uhr durch die Straßen der Altstadt tingelt, leistet einen Knochenjob. Warum er das macht, verrät er gern. Immerhin soll er die Passanten auf ein Reisebüro in der Lederergasse aufmerksam machen. Über sein wahres Ich schweigt sich der Globusträger lieber aus. "Ich trenne halt Beruf und Privatleben", sagt er von Angesicht zu Erdkugel.

"Es ist kein Problem, mit dem Erdball auf den Schultern herumzulaufen. In der Bewegung schränkt es mich fast gar nicht ein, nur bei engen Türen ist es manchmal ein bisschen schwierig", erklärt der wandelnde Globus, den seine Schöpferin Gackl nennt. "Ich hab manchmal schon sehr geschwitzt. Aber der Ventilator im Erdinneren hilft." Die Passanten reagierten recht unterschiedlich. "Die meisten freuen sich, wenn sie mich auf der Straße sehen", berichtet er. Die meisten Kinder winkten und lachten ihm zu. "Die Kleinen, die Angst haben, sind nach einer Packung Gummibärchen auch wieder beruhigt." Sein schönstes Erlebnis sei die Begegnung mit einer älteren Dame gewesen. "Die sagte zu mir, ich sei eine Bereicherung für die Stadt. Endlich rührt sich mal wieder was."

Der Kerl, der in dem Kostüm steckt, hat ein bisschen Angst, erkannt zu werden. Wenn Gackl mal nicht die ganze Welt auf seinen Schultern trägt, dann ist er ein ganz normaler Teenager - verbringt gerne Zeit mit seinen Freunden und macht Sport. In wenigen Tagen beginnt für ihn das neue Schuljahr an der Fachoberschule.

Erfahrungen für's Leben

Unterricht ist für ihn aber auch der Nebenjob als Geschäfts-Maskottchen. "Das bringt einem auch ein Stück weit Lebenserfahrung, weil jeder anders auf mich reagiert", betont der Jugendliche. "Ich war schon oft in Freizeitparks und habe dort gesehen, wie sich die Maskottchen verhalten und wie sie auf die Leute zugehen. Als Gackl versuche ich, das ein bisschen nachzumachen." Demnächst bekommt der gelb-blaue Animateur vielleicht sogar eine Frau an seine Seite. "Ich suche ja selber schon die ganze Zeit nach einem Mädchen, aber bis jetzt war keins dabei, das der Erdanziehung standgehalten hätte", bedauert das Globus-Männchen.

Auch nach den Ferien wird Gackl an den Wochenenden in der Stadt unterwegs sein. Dabei trägt er einen Wunsch mit sich herum: "Ich würde gerne einmal eine Flüchtlingsunterkunft besuchen, um dort ein bisschen mit den kleineren Kindern zu spielen und ihnen ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern."
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