Verdi-Funktionär Hartl nimmt neuen Sparkassen-Kurs ins Visier, spricht aber auch von ...
"Mittelfristig nicht gut für das Institut"

Das hört sich mehr nach Kabarett als nach seriöser und durchdachter Unternehmens- führung an.
Nicht nur aus der Oberpfalz, sondern auch weit darüber hinaus hätten ihn Reaktionen zu unserem Artikel über die Neuausrichtung der Sparkasse Amberg-Sulzbach (Mittwochausgabe, "Weniger Filialen, mehr Zahlstellen") erreicht, teilte am Donnerstagnachmittag Udo Hartl vom Verdi-Bezirk Oberpfalz aus Regensburg mit. Der Rechtsschutz-Gewerkschaftssekretär meinte, was dort beabsichtigt sei, werde weder den Interessen der Kunden noch der Mitarbeiter gerecht. Und: "Es kann mittelfristig auch nicht gut für das Institut sein." Ein schlüssiges Konzept, so Hartl, sei für ihn nicht erkennbar, wenn von mehr Kundennähe durch weniger Filialen die Rede sei: "Auf diese Idee muss man erst mal kommen", formulierte er.

Dass Kunden im Schnitt nur noch einmal jährlich in die Filiale kämen, sieht er als wenig glaubwürdig an. Zu den noch geplanten Auszahlstellen an Supermarktkassen, bei Edeka in Ursensollen oder Netto in Witzlhof urteilte der Gewerkschafter klar: "Das hört sich mehr nach Kabarett als nach seriöser und durchdachter Unternehmensführung an."

Das Tollste indes seien die neuen Servicezeiten, fügte er in einer ironisch angehauchten schriftlichen Stellungnahme hinzu. 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche, rund um die Uhr könne man geschulte Mitarbeiter telefonisch erreichen. Seine Frage dazu: "Wird es da Dreischichtbetrieb geben?" Und Hartl zweifelt daran, ob es überhaupt qualifizierte Mitarbeiter gebe, die nachts um 3 mit Headsets dasäßen, um auf Anrufer zu warten.

Was für Amberg-Sulzbach angekündigt sei, bezeichnete der Sprecher als Teil einer Entwicklung, die er seit Monaten vielerorts beobachte: hektische Betriebsamkeit von Sparkassenvorständen in Richtung Personalkostenreduzierung, Ausdünnung des Filialnetzes, Prozessoptimierung, Effizienzsteigerung.

Der Gewerkschafter räumte aber auch ein, dass das Geschäftsmodell von Sparkassen und Genossenschaftsbanken zunehmend unter Druck gerate. Dabei spielten mehrere Faktoren eine Rolle: Die schnell fortschreitende Digitalisierung, das dadurch sich verändernde Kundenverhalten, die anhaltende Niedrigzinsphase oder die vielen aufsichtsrechtlichen Forderungen, national und international. Noch aber stünden "die Sparkassen erstaunlich gut da". Im Moment scheine es, als wolle man "bereits jetzt aus dieser Position der Stärke heraus für eventuelle Dürrezeiten Vorkehrungen treffen". Um den Anforderungen im komplizierter werdenden Marktumfeld gerecht werden zu können, könnte wohl an der einen oder anderen Stelle ein maßvoller und zielgerichteter Umbau der Sparkassenlandschaft erforderlich werden: "Aber bitte nicht mit der Brechstange und Aktionismus in Form von vorauseilendem Personalabbau und umfangreichen Filialschließungen." Die "Beziehungssparkasse" müsse erhalten bleiben. Die Digitalisierung dürfe nicht eindimensional mit Stellenabbau und Filialschließungen beantwortet werden.
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