Verfahren gegen 35-Jährigen an Schöffengericht verwiesen - Feuer gelegt, als die Mutter im ...
Mordversuch und schwere Brandstiftung

Das Amberger Schöffengericht verhandelte zwei Tage lang. Dann traf es eine äußerst selten vorkommende Entscheidung: Das Verfahren gegen einen 35-Jährigen aus dem östlichen Kreis Schwandorf, zunächst angeklagt als schwere Brandstiftung, wurde wegen Verdachts des versuchten Mordes an das Schwurgericht verwiesen.

Der Mann hatte kurz vor der Tat im Oktober letzten Jahres erst seinen Arbeitsplatz und dann seinen Vater, der für ihn alleinige Bezugsperson war, durch Tod verloren. Einen Großteil der Schuld daran schrieb der 35-Jährige offenbar seiner Mutter zu, mit der er in einem Einfamilienhaus lebte. Was dann geschah, bestritt der Angeklagte vor dem Schöffengericht nicht: "Ich habe auf einer Treppe Nitroverdünnung ausgeschüttet und angezündet."

Seine im Obergeschoss lebende Mutter (60) hätte nach Ansicht eines Kripofahnders bei einer Ausweitung des Brandes nur die Chance gehabt, sich durch einen Sprung aus sieben Metern Höhe zu retten. Doch die Flammen gingen aus. Zuvor war der Täter mit seinem Auto geflüchtet.

Nachts am Grab des Vaters

In der Beweisaufnahme vor dem Schöffengericht ergab sich: Trotz einer Alkoholisierung von über zwei Promille hatte der 35-Jährige präzise Vorkehrungen getroffen, die aufhorchen ließen. Er packte wichtige Dokumente in seinen Wagen, nahm auch zwei früher seinem Vater gehörende Hunde mit und besuchte auf seiner Flucht, mitten in der Nacht, das Grab seines Vaters. In seinem Pkw fanden Polizisten später, als der Mann an den Tatort zurück gekehrt war, eine Kranzschleife.

"Er war wohl in seiner Steuerungsfähigkeit beeinträchtigt, wusste aber trotzdem, was er machte", sagte eine psychiatrische Sachverständige am zweiten Prozesstag dem Amberger Schöffengericht. Im Raum stand auch die Aussage eines Polizeibeamten. Er hatte sinngemäß vernommen: "Meine Mutter ist schuld am Tod des Vaters." Der Angeklagte blieb allerdings dabei: "Ich wollte sie weder in Gefahr bringen noch töten."

Prozess abgebrochen

Der Gerichtsvorsitzende Markus Sand brach den Prozess ab. "Er fasste den Entschluss, seine Mutter umzubringen", zeigte sich Sand überzeugt. Deswegen wurde das Verfahren an das Amberger Schwurgericht verwiesen. Dort wird nun wegen Mordversuchs und schwerer Brandstiftung zu entscheiden sein.
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