"Verhaftet und verschleppt"

Michael Feyesa Eshetu und Musie Betre (von rechts) trauten sich, in einem öffentlichen Vortrag ihr Schicksal als Flüchtlinge darzustellen. Sie berichteten im Paulaner-Gemeindesaal, warum sie aus Äthiopien flohen. Bild: hfz

Alle Welt redet über Flüchtlinge - in Amberg sind es Flüchtlinge, die reden: Musie Betre und Michael Feyesa Eshetu, zwei äthiopische Asylbewerber, berichteten mutig vor vielen Zuhörern im Paulaner-Gemeindehaus, warum sie ihre Heimat verlassen mussten.

"Im Mai wird in unserem Land gewählt", erläuterte Musie Betre, "dabei gibt es wie schon bei den vorangegangenen Wahlen massive Repressionen gegen Oppositionelle, Journalisten und Studenten." Der junge Mann gab zunächst einen Einblick in Kultur, Geschichte und politische Entwicklung seiner Heimat:

Seit 1991 regiert dort die Ethiopian People's Revolutionary Front (EPRDF), ursprünglich entstanden als Tigray People's Liberation Front. Sie setzt sich für die Interessen der tigrinischen Volksgruppe ein. Obwohl die Oromo und Amhara die weitaus größeren Bevölkerungsgruppen sind, besetzt die EPRDF laut Betre alle politischen Ämter und will mit allen Mitteln ihre Macht erhalten und das Land ausbeuten. Die Regierung sorge unter anderem dafür, dass Agrarland an ausländische Investoren verkauft wird.

"Es gibt keine Meinungsfreiheit. Regierungsgegner werden willkürlich verhaftet und verschleppt", erzählte der Äthiopier und fügte für seine Generation an: "Doch die jungen Leute sehnen sich nach Freiheit und einer Zukunftsperspektive." Seit 2005 habe sich auch die Opposition radikalisiert, einige hätten einen bewaffneten Kampf begonnen, andere Oppositionelle seien geflohen. Exilorganisationen versuchten, im europäischen Ausland durch Demonstrationen und Berichte auf ihre verzweifelte Lage aufmerksam zu machen.

Michael Feyesa Eshetu nannte als Beispiel seinen Vater, der sich gegen das Regime engagiert habe und 2005 verhaftet wurde. Er habe seither nichts mehr von ihm gehört. Als Sohn wurde der damals erst 13-Jährige nach eigener Auskunft geschlagen und bedroht und musste schließlich aus dem Land fliehen. Eshetu beschrieb seine langjährige Odyssee, den Weg durch die Wüste und die gefährliche Fahrt über das Mittelmeer, bis er 2011 nach Deutschland kam.

Im Anschluss an den Vortrag diskutierten die anwesenden rund 15 Äthiopier, Angehörige der Exilparteien EPPFG (Ethiopian People Patriotic Front Guard) und OPDU (Oromo-Peoples-Democratic-Organization), wie sie am besten auf die Lage in ihren Heimatland aufmerksam machen können. Betre und Feyesa Eshetu initiierten schließlich, dass sich eine gemeinsame Aktionsgruppe bildet und noch vor der Wahl eine Demonstration in Nürnberg anhalten will.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.