Vermisst im Disco-Nebel

Ein Teil der Einsatzfahrzeuge fuhr über den Mariahilfbergweg zum Haupteingang, das Gros jedoch kam über die Wiltmaisterstraße. Auf dem Areal unterhalb der zentralen Notaufnahme richteten die Retter auch eine Verletztensammelstelle ein. Bilder: Hartl (5)

Der Alarm geht um 19.34 ein, sieben Minuten später betreten die ersten Feuerwehrleute das Foyer von St. Marien. Im Untergeschoss des Klinikums ist ein Feuer ausgebrochen - rund 100 Einsatzkräfte übten am Dienstagabend den Ernstfall.

Marc Bigalke, Anästhesist und Katastrophenschutz-Beauftragter von St. Marien, zögert noch, Alarm auslösen. Erst muss eine Durchsage erfolgen, damit die Patienten und deren Besucher nicht gleich einen Schock bekommen, wenn in Kürze ein Einsatzfahrzeug nach dem anderen vor und hinter dem Klinikum aufschlagen wird.

Durchsage für Patienten

Die Patienten zu informieren, das erledigt Dr. Jens Trögner, stellvertretender ärztlicher Direktor. Er ist einer der vielen Kiebitze, die sich die Übung als Beobachter ansehen und Notizen machen, was gut lief - und was eben nicht. Um 19.34 Uhr löst Bigalke schließlich den Alarm aus. Nur sieben Minuten später ist das erste Auto des Stadtlöschzugs der Feuerwehr da. Das Team marschiert schnurstracks ins Foyer. Das würden die Aktiven auch im Ernstfall tun. Im Raum direkt neben der Information ist das Meldetableau. Es zeigt an, welcher Brandmelder angeschlagen hat. Sofort wissen die Feuerwehrleute, wo es brennt - im Untergeschoss. Simuliert wurde das Feuer in einem alten Trakt des Klinikums, der abgerissen wird. Eine Nebelmaschine sorgt allerdings für ganz schön viel Rauch.

Suche nach acht Vermissten

Mit schwerem Atemschutz geht das erste Zweierteam in den Keller. Drei weitere Duos machen sich bereit für ihren Einsatz. Andere Feuerwehrleute verlegen die Schläuche, holen Nachschub aus den Fahrzeugen. "Acht Leute fehlen", erfahren die Aktiven, als sie das zu beübende Areal systematisch erkunden. Aus einem Raum der ehemaligen Pathologie ziehen sie einen Schutzanzug - der erste Dummy ist gefunden. Das Szenario sieht vor, dass Rauch aus dem Keller auf die darüberliegende Station dringt und diese deshalb geräumt werden muss. Aus diesem Grund wartet das Pflegepersonal einer gynäkologischen Abteilung im Schwesternzimmer auf einen Anruf - nämlich den Befehl, die Station zu evakuieren. Natürlich nicht real und mit den wirklichen Patienten, sondern lediglich mit vier Mitarbeitern des Krankenhauses, die die Kranken mimen und in zwei Zimmern in ihren Betten liegen.

"Im Ernstfall müssten natürlich alle Patienten verlegt werden", erklärt Dr. Jens Trögner den Unterschied zwischen Übung und Realität. Im Schnitt habe jede Station so um die 30 Menschen zu betreuen. Trögner ist Chefarzt der Geriatrie, seine Patienten sind betagt und meist nicht gehfähig. Im Fall der Fälle könnte keiner die Station alleine verlassen, alle bräuchten Hilfe des Pflegepersonals. Das Warten auf Station hat um 20.16 Uhr ein Ende, der Anruf kommt. Der Pfleger, der ihn entgegen nimmt, fordert gleich Unterstützung an: "Wir sind hier nur zu zweit, wir brauchen noch Leute."

Dann machen er und seine Kollegin sich daran, die Patienten aus den Zimmern zu holen. Natürlich nur die Schauspieler, alle anderen bleiben. "Frau Maier, sie müssen keine Angst haben", redet er beschwichtigend auf eine der Damen ein, während er die Bremse des Bettes löst und dieses auf den Gang hinaus bugsiert. Dort wird Frau Maier abgestellt, eine Schwester von einer anderen Station übernimmt sie von dort. Der Pfleger geht ins nächste Zimmer. Die dort liegende Kranke will nicht evakuiert werden, sie wehrt sich, sie schreit, reagiert panisch - Barbara Bock von der Krankenhaus-Seelsorge spielt ihre Rolle sehr überzeugend.

Sammelstelle für Verletzte

Szenenwechsel: Auch bei der Bekämpfung des fiktiven Brandes sind die Feuerwehrleute ganz schön gefordert. Durch eine Verpuffung werden drei von ihnen verletzt. Der Rettungsdienst versorgt sie. Plötzlich fällt auch noch der Strom aus, das THW übernimmt eine Noteinspeisung. Hinter dem Klinikum haben die Retter eine Verletztensammelstelle eingerichtet, Notärzte eilen hin und her, Sanitäter ebenfalls. Das Technische Hilfswerk rückt an, um noch Powermoons, wie die großen Leuchtballone im Fachjargon heißen, aufzubauen.

Gegen 21 Uhr kehrt so langsam wieder Ruhe ein, die Übung ist fast beendet. Die Retter hatten einige Aufgaben zu bewältigen - im Ernstfall wäre dies nicht anders.
Weitere Beiträge zu den Themen: Lea (13792)Oktober 2015 (8435)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.