Viele Baustellen fürs Handwerk

Die Vertreter des Handwerks schilderten dem Oberbürgermeister die drängendsten Probleme (von links): Michael Cerny, Kreishandwerkmeister Johann Weber und stellvertretender Kreishandwerksmeister Rudi Glössl. Bild: gf

Wo sollen die Metzger, Schreiner und Maurer der Zukunft herkommen? Die Betriebe in der Region bekommen den Fachkräftemangel deutlich zu spüren. Mit Oberbürgermeister Michael Cerny diskutierte die Kreishandwerkerschaft nun Lösungsansätze.

Der Kreishandwerkerschaft gehörten 16 Innungen mit knapp 500 Mitgliedsbetrieben an, erklärte Kreishandwerksmeister Johann Weber. Die Unternehmen hätten klare Vorstellungen davon, was Oberbürgermeister Michael Cerny verbessern könnte.

Immer noch "null Bock"

In der Region gebe es namhafte und global tätige Industrieunternehmen, sagte Cerny, doch das Handwerk gelte immer noch als Rückgrat der heimischen Wirtschaft. Der Fachkräftemangel in Handwerksbetrieben sei bekannt. Ausschlaggebend könne der Arbeitslohn sein, der bei gleichwertigen Arbeitsplätzen in der Industrie meist höher liege. Während vor Jahren noch Ausbildungsplätze gesucht wurden, fehle es heute an Auszubildenden. Absolventen der Mittelschule hätten durchaus das Zeug dafür, gute Handwerker zu werden, erklärte der Oberbürgermeister.

Aus der Kreishandwerkerschaft kam die Klage, dass sich immer weniger junge Leute für eine handwerkliche Ausbildung entschließen. Zudem gebe es nach wie vor eine "Null-Bock-Generation", mit der sich die Schule stärker beschäftigen solle.

Kreishandwerkmeister Johann Weber merkte an, dass Eltern oft zu große Pläne für ihre Kinder hätten. Viele Buben und Mädchen müssten unbedingt am Gymnasium angemeldet werden, kämen dann aber ohne Nachhilfe nicht mehr mit. Weber bemängelte auch, dass durch überregionale Schulen Kontakte verloren ginge. Eltern, Lehrer und Handwerksbetriebe seien sich untereinander mittlerweile vollkommen unbekannt, daher gebe es bei der Zusammenarbeit zwischen Schulen und Handwerk großen Nachholbedarf. "Die teuerste Zeit, die wir investieren, sind drei Lehrjahre und die nächsten beiden Gesellenjahre", sagte Weber. Es wäre ein großer Fehler der Politik, wenn gut ausgebildete und motivierte Asylbewerber nach fünf Jahren Verfahrensdauer abgeschoben würden. Das Handwerk könne ihnen eine Zukunftsperspektive bieten.

Vergabepraxis ändern

Das zweite große Thema der Diskussionsrunde war die Ausschreibungs- und Vergabepraxis der Kommunen. Städte und Gemeinden vergeben Aufträge oftmals an Firmen, deren Mitarbeiter einige Hundert Kilometer anfahren müssten. Das Handwerk sei der größte Arbeitgeber der Region, auch der größte Steuerzahler und daher sei es mehr als gerecht, wenn regionale Betriebe bei Aufträgen besser berücksichtigt werden. Bei Ausschreibungen sollten die einzelnen Lose so gestaltet werden, dass die Aufträge an regionale Handwerksbetriebe vergeben werden können. Damit bliebe das Geld in der Region und werde hier auch wieder ausgegeben. Cerny mahnte zur Vorsicht, denn eine Stückelung der Aufträge könne in der Endsumme schnell unwirtschaftlich werden und letztlich zur Verschwendung von Steuergeldern führen. Natürlich befürworte er es, dass Aufträge regional vergeben werden, "aber Wirtschaftlichkeit und korrekte Vergabe müssen unbedingt beachtet werden".

Die Kreishandwerkschaft hatte schließlich die klare Forderung an den Oberbürgermeister, die Vergabe von Aufträgen an regionale Betriebe aufzustocken. "Wenn Stadt und Landkreis regionale Handwerksbetriebe beauftragen, wird sich so mancher private Auftraggeber diesem Beispiel anschließen", zeigte sich Kreishandwerksmeister Johann Weber überzeugt.
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