Vier Monate Haft für Drogenschmuggel in Amberger JVA
Briefmarken mit Suchtpotenzial

Bei der Kontrolle der Gefängnispost war einem Mitarbeiter eine Unebenheit unter der Briefmarke aufgefallen. Archivbild: dpa
Diese Kuverts hätte man für das postalische Kuriositätenmuseum aufheben sollen. Denn unter den Briefmarken war Rauschgift versteckt. Pech für die Empfänger: Sie saßen im Amberger Gefängnis. Dort werden eingehende Sendungen einer Kontrolle unterzogen. Dabei flog der raffinierte Trick auf.

Fentanyl-Schmerzpflaster enthalten Opiate. Von Süchtigen werden sie in kleine Stücke zerschnitten, ausgekocht und der Sud konsumiert. "Ein unberechenbares und teuflisches Zeug", hatte die Amberger Justiz im Vorjahr bei einem Prozess von Drogensachverständigen gehört und vernommen, dass bayernweit schon über 100 Menschen nach dem Genuss solcher Lösungen starben. Damals war eine 44-Jährige zu einer mehrjährigen Haft verurteilt worden, weil sie damit Handel trieb.

Auf der Anklagebank saß nun eine Ambergerin (40). Sie hatte Briefe an zwei Insassen der JVA Amberg versandt. Als die Kontrolleure der Haftanstalt näher nachsahen, stellte sich heraus: Unter den Postwertzeichen hafteten auf der Kuvert-Innenseite kleine Stücke von Schmerzpflastern.

Die Beschuldigte tischte eine abenteuerliche Geschichte auf. Sie sei, erzählte die Frau, zum Amberger Bahnhof bestellt worden und dort einem Unbekannten begegnet. Der habe ihr die bereits adressierten und frankierten Umschläge übergeben. "Den Absender sollte ich selbst erfinden und draufschreiben", berichtete sie.

Geschichte unglaubhaft

"Das glaube ich nicht", hielt ihr die Richterin entgegen. Sie wusste, dass der Lebenspartner der Beschuldigten, ein amtsbekannter Drogenkonsument, zur fraglichen Zeit in der JVA saß und hatte auch den Hausarzt der Frau vernommen. Dieser berichtete, dass der Frau Fentanyl-Pflaster verschrieben worden waren. Die Affäre endete mit vier Monaten Haft. "Keine Bewährung", befand die Richterin mit Blick auf das Vorstrafenregister.
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