Virtuell rentiert sich finanziell

Vor zehn Jahren unvorstellbar: Ein Computer allein reicht oft nicht mehr aus. Einige Schüler haben zudem ihren eigenen Laptop dabei. Das gilt auch für die Lehrer. So ganz ohne Papier geht es dann aber doch noch nicht.

Zu Hause haben sie wohl alle einen Computer stehen. In der Schule gucken viele Jugendliche aber noch immer in die Röhre, sprich auf Tafel und Papier. Die Stadt hat darum beschlossen, dass jedes Amberger Klassenzimmer Beamer und Internet bekommt. Die Euros fließen. Doch von der EU gibt's für andere Projekte weitaus mehr Geld.

Amberg. (tk) Beispiel Gregor-Mendel-Gymnasium: Dort hat Oberstudiendirektor Peter Welnhofer im Vorjahr aus dem für Schulen mit 100 000 Euro gefüllten Topf 12 500 Euro erhalten. Geld, das dringend benötigt wurde, um die Computerräume auf neuestem Stand zu halten und in Kooperation mit der EDV-Abteilung der Stadt eine Terminal-Server-Lösung aufzubauen. Heißt konkret: Im Keller steht ein Hochleistungsrechner, die drei Fachräume bilden Außenstellen - wie in einem Unternehmen.

"Dem Ziel sehr nahe"

"Wir sind dem Ziel, das der OB ausgegeben hat, schon sehr nahe", sagt Welnhofer und meint damit das Versprechen von Oberbürgermeister Michael Cerny, jedes Amberger Klassenzimmer grundlegend auszustatten. Dazu gehören Beamer und Internet. Im GMG ist alles vorhanden. Laut Direktor fehlt aber noch ein aktuelleres W-LAN, um komplett auf Funk umsteigen und drahtlos arbeiten zu können. Auch moderne Dokumenten-Kameras stehen auf der Wunschliste. Sie sollen in den nächsten Jahren mit den Zuschüssen der Stadt gekauft werden. Die Exemplare, die es an der Schule bereits gibt, haben die Lehrer auf eigene Kosten angeschafft.

Interaktive Tafeln, wie sie beispielsweise im Beruflichen Schulzentrum hängen, sind für Peter Welnhofer kein Thema: "Viel zu teuer." Zwischen 6000 und 7000 Euro müssten pro Klasse ausgegeben werden - bei einer Haltbarkeit von fünf bis sechs Jahren. Es bleibt an der Moritzstraße also bei Schiefer und Kreide.

Die Dokumenten-Kameras seien fast schon Pflicht, handle es sich beim Gregor-Mendel-Gymnasium um eine vom Kultusministerium anerkannte Referenzschule für Medienbildung. Auch Schüler mit Laptop seien noch längst nicht an der Tagesordnung. "Es gibt sie", sagt Peter Welnhofer, "aber es sind wenige".

Der multimediale Lehrer sei dagegen schon eher Realität. "Viele Kollegen halten ihre Präsentationen mittlerweile vom Laptop oder Smartphone aus. Das ist eher die Regel als die Ausnahme." Um die technischen Lücken füllen zu können, benötigt das GMG weitere Finanzhilfen. Wie viel es heuer geben wird, steht laut Welnhofer wegen des neuen Verteilungsschlüssels noch nicht fest, aber: "Es sollte eher mehr werden" als bisher.

Wie sehr eine andere Quelle sprudeln wird, die Oberstudienrätin Malen Raub fürs Gymnasium erschlossen hat, weiß Welnhofer dagegen schon jetzt: Die Europäische Union zahlt 35 000 Euro, weil das GMG beim Programm "Erasmus Plus" mitmachen darf. Dabei handelt es sich um den Nachfolger des Comenius-Projekts. Auch damals hatten sich mehrere weiterführende Schulen grenzübergreifend zusammengetan.

Vier weitere Nationen

Diesmal kooperieren die Amberger klassenübergreifend mit Gleichaltrigen in Frankreich, Spanien, Italien und Dänemark. Die Aufgabe lautet: "Alle arbeiten gemeinsam an einer virtuellen Stadt, in der es sich zu leben lohnt." Von der Kanalisation über den Straßenbau bis zu Sport und Kultur - alles müssen die jungen Leute selbst entwickeln und umsetzen. An den Computern, die jetzt wieder auf dem neuesten Stand sind.
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