Virtuoser Organist

Mit Begeisterung und Können ließ Maximilian Betz die neue Orgel in St. Konrad erklingen. Bild: Michael Jakob

Kunstgenuss und Ohrenschmaus in einem bot in seinem Orgelkonzert Maximilian Betz, gefragter Organist und Kirchenmusiker, in der Pfarrkirche St. Konrad. Darin waren sich die Besucher einig und quittierten die Vorstellung mit langem Applaus.

Orgelkonzerte finden in der Bruder-Konrad-Kirche immer mehr Anklang. So auch beim Vortrag von Maximilian Betz. Bereits bei der Eröffnung zeigte er durch eine geschickte, genau ausgewogene Registrierung die Klangvielfalt der neuen Sandtner-Orgel. Das Präludium von Nicolaus Bruhns, einem Vertreter der norddeutschen Orgelschule, ist gekennzeichnet durch den Kontrast von homophonen und fugierten Abschnitten sowie virtuosen Pedalstellen und beginnt gleich mit einem mächtigen Pedalsolo.

Das Choralvorspiel "Allein Gott in der Höh" von Johann Sebastian Bach entstammt der Sammlung "Achtzehn Choralvorspiele". Dem Werk liegt der Choral "Allein Gott in der Höh sei Preis und Ehr" zugrunde, den Bach äußert kunstreich verzierte.

Lyrische Melodien

Dadurch entstehen besonders lyrische Melodien, die Betz äußert sorgfältig und artikuliert ausspielte. Johann Sebastian Bach's "Praeludium und Fuge BWV 548" entstand in der Zeit, in der er Kantor an der Thomaskirche in Leibzig war, steht also zeitlich in der Nähe der großen Passionen.

Die Fuge ist formal in drei Teile gegliedert. Der erste und dritte Teil sind identisch, quasi eine Da-Capo-Form. Der erste Teil enthält die Exposition sowie drei weitere Themeneinsätze. Der Mittelteil ist geprägt von schnellen "toccatenhaften" Sechzentelbewegungen, unterbrochen von weiteren Themeneinsätzen. Sowohl durch die geschickte Registrierung als auch durch das äußert rhythmisch disziplinierte und artikulierte Spiel gelang eine höchst ansprechende Wiedergabe des Werkes.

Beim Choralvorspiel "Straf mich nicht in deinem Zorn" von Gottfried August gelang dem Organisten durch eine geschickte Registrierung mit einer Trompete als Soloinstrument eine äußert grazile Wiedergabe. Den größten Teil seiner Orgelwerke hat Max Reger in seiner "Weidener Zeit" geschaffen. Das Benedictus entstammt seiner sog "Orgelmesse" aus der Sammlung op.59.

Betz zeigte engagiert in vielen Farb- und Tonstärkenuancen die Entwicklung des Tonsatzes hin zur Spätromantik auf. Eine Komposition, für die die vielen romantischen Stimmen der Sandtner-Orgel von St. Konrad vorzüglich passten. Elevation bedeutet das Erheben und Zeigen der gewandelten Gaben in der Eucharistiefeier. Hierzu hat der französische Organist und Komponist Jean Giroud eine Toccata komponiert, bei der Betz eine sehr durchgängige dynamische Entwicklung vom leisesten Ton der Orgel bis hin zum Forte schaffte.

Präzise und werkgetreu

Maurice Durufle war Organist und Professor in Paris. Trotz seiner Fähigkeiten als hervorragender Organist sind nur wenige Werke in Druck erschienen. Das "Prelude et Fugue" ist über eine Tonfolge komponiert, die den Namen des Organisten "ALAIN" ergeben.

Während die rechte Hand schnelle Läufe und Arpeggios, die sich aus der Tonfolge "ALAIN" ergeben, aufweist, hat die linke Hand mystische Begleitakkorde. Es erklang eine äußerst präzise und werkgetreue Wiedergabe, was die Virtuosität des Organisten auszeichnete.

Die Orgelimprovisation stellt schon seit jeher eine besondere Disziplin dar. Und so spielte Maximilian Betz am Schluss des Konzertes auch eine. In der Klangsprache der französischen Orgelsymphonik verarbeitete er das Thema des Chorals "Eine große Stadt ersteht" sowie das Abendlied "Guten Abend, gut Nacht". Die Improvisation war gezeichnet sowohl von virtuosen Läufen und Akkord-Arpeggien als auch von ruhigen meditativ wirkenden Passagen, in denen beide Themen geschickt und einfallsreich miteinander verknüpft und verarbeitet wurden. Am Ende stand ein furioses Finale.

Nach langanhaltendem Applaus verabschiedete sich Maximilian Betz mit dem berühmten "Air" aus der Orchestersuite von Johann Sebastian Bach in einer Orgelbearbeitung von Sigfrid Karg-Elert.
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