Völlig unerwartete Zäsur

In die Liste der Geehrten reihten sich noch etliche Gründungsmitglieder ein. Darunter auch der seither amtierende und nach 35 Jahren nicht mehr kandierende Vorsitzende Armin Nentwig (links). Bild: hae

Alles schien seinen gewohnten und bewährten Lauf zu nehmen. Wie seit 35 Jahren schon. Doch dann stand Armin Nentwig nicht mehr für den Vorsitz des Rollstuhl-Behindertenclubs zur Verfügung.

"Wenn wir nicht selbst, wer dann?" Als ein "Miteinander - Füreinander" gründete sich 1979 auf Initiative des früheren Landtagsabgeordneten und ehemaligen Landrats Armin Nentwig der "Rollstuhlfahrer-Behindertenclub und Freunde". Bei der Jahreshauptversammlung des Vereins im Pfarrsaal St. Konrad in Ammersricht feierten die Mitglieder das 35-jährige Bestehen mit einer Dia-Schau und Ehrungen. Es tat sich aber auch ein nicht unerhebliches Problem auf.

Den fälligen Neuwahlen schauten die 58 anwesenden Mitglieder ursprünglich recht gelassen entgegen. Doch der Gründungsvorsitzende war nicht mehr zu einer Kandidatur bereit, weshalb sein Amt unbesetzt blieb. Der zuvor erstattete Rechenschaftsbericht von Nentwig streifte als abwechslungsreiche Dia-Schau nicht nur die geselligen Aktivitäten, sondern dokumentierte vor allem auch den Einsatz des Clubs, die Stadt und den Landkreis behindertenfreundlicher zu machen.

Etliches erreicht

"Wir haben die Welt bewegt", resümierte der Vorsitzende all die Jahre und verwies auf die mit großer Beharrlichkeit gestellten Anträge etwa zur Absenkung von Bordsteinen, Ausweisung von Behindertenparkplätzen und -toiletten sowie den Einsatz für Barrierefreiheit in öffentlich zugänglich Gebäuden. Ziel sei stets gewesen, die Teilnahme von in ihrer Bewegungsfreiheit eingeschränkten Menschen am öffentlichen, alltäglichen Leben zu erleichtern. "Wir müssen die Behinderten aus der Isolation herausholen und deren Selbstbewusstsein stärken", betonte Nentwig vor diesem Hintergrund einmal mehr.

Endgültiger Rückzug

Nach dem durchweg positiven Bericht von Kassier Anton Gradl erhoben auch die Kassenrevisoren keine Einwände und die Entlastung des Vorstands stellte nur eine Formalie dar. Für die anstehenden Neuwahlen sollte das aber nicht mehr gelten. Nentwig erklärte unumstößlich, dass er definitiv nicht mehr für das Amt des ersten Vorsitzenden zur Verfügung stehe.

Er begründete diesen Schritt damit, dass er nach 35 Jahren des beharrlichen Einsatzes für den Rollstuhlfahrer-Behindertenclub wegen interner Querelen nicht mehr weitermachen werde. Da sich aus der Versammlung heraus kein anderer Kandidat zur Verfügung stellte, bleibt das Amt des Vorsitzenden vorerst unbesetzt.

Die Wahl der drei Stellvertreter und anderen zu vergebenden Ämter verlief dagegen unproblematisch bis auf den Schriftführerposten. Eine weitere, außerordentliche Hauptversammlung in absehbarer Zeit wird also unumgänglich sein.
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