Voller Schlag ins Fan-Kontor

Beim Hinspiel am 27. Dezember 2014 in Pegnitz soll es "einen Überfall" (ERSC-Vorsitzender Mustafa Sugle) auf Amberger Fans gegeben haben. Zwei Tage später zeigte ein ungewöhnlich starkes Polizeiaufgebot (Foto) beim Rückspiel in Amberg Präsenz und Wirkung. Deshalb waren der Verein und die Sicherheitskräfte vorbereitet, dass es am Sonntag eventuell eine "Revanche" hätte geben sollen. Archivbild: Ziegler
Lokales
Amberg in der Oberpfalz
06.10.2015
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Als hätte er selbst mit dem Knüppel eins abbekommen. "Entsetzt" zeigte sich ERSC-Vorsitzender Mustafa Sugle über die gerade noch in den Griff bekommene Gewaltbereitschaft einiger Amberger Eishockey-Anhänger.

(zm) Das Verhältnis zwischen den Wild Lions (ERSC Amberg) und den Ice Dogs (EV Pegnitz) beschreibt Sugle eigentlich als gut nachbarschaftlich. "Wenn uns jemand nahe ist, dann ist es Pegnitz." Doch nach dem Abpfiff des zur Saisonvorbereitung dienenden Freundschaftsspiels am Sonntag belehrten ihn einige Amberger Fans eines völlig Anderen. Die Kripo ermittelt seither gegen knapp zwei Dutzend ERSC-Anhänger wegen Landfriedensbruch (wir berichteten).

Das hat Sugle seinem Bekunden nach wie viele erst am Dienstag aus der Zeitung erfahren, obwohl er die Begegnung im Vorfeld, im Stadion und auch nach Spielende begleitete. "Das ist super gelaufen, da gab es überhaupt nichts." Das bestätigt auch die Pressemitteilung des Regensburger Polizeipräsidiums vom Montag. "Während des Spiels kam es zu keinen nennenswerten Vorkommnissen", heißt es darin. Die Verantwortlichen und die Polizei hatten sich jedoch auf mögliche Spannungen vorbereitet.

Sugle spricht von mehr Ordnern als üblich auf beiden Seiten, sauber getrennten Fanblocks sowie unterschiedlichen An- und Abmarschrouten. Denn spätestens seit Ende Dezember sei zwischen bestimmten Teilen der Fanblocks das Tischtuch offenbar zerrissen.

Nicht selbst gesehen

Schon damals baute die Polizei vor und nun sieht sie ihre präventive Einsatztaktik vom Sonntag bestätigt. "Das konsequente Einschreiten" habe eine direkte Konfrontation und "mögliche Ausschreitungen" verhindert, teilte Polizeipräsidiums-Sprecher Stefan Hartl mit. Nach dem Abpfiff im Eisstadion am Schanzl hatten sich "circa 20 Amberger Fans mit Stöcken bewaffnet und vermummt". Offensichtlich seien sie bestrebt gewesen, von Einsatzkräften zum Parkplatz geleitete Pegnitzer anzugreifen. "Dies konnten die Beamten jedoch verhindern", heißt es zurückhaltend dazu in der Pressemitteilung. Das hat Sugle nicht mit eigenen Augen gesehen, jedoch befürchtet. Er beobachtete, wie sich Polizeikräfte am Rande des Geschehens plötzlich eilig in Richtung ACC-Parkplatz in Bewegung gesetzt hatten.

22 Festnahmen

Hartl wird am Dienstag konkreter. Die vermummte Gruppe von Amberger Fans wurde komplett vorläufig festgenommen. Es waren 22 Leute. Bei ihnen fanden die Beamten drei Sturmhauben, eine Wollmütze und einen Schal ("Alles zur Vermummung geeignet") und "21 Plastikrohre", die zuvor im Stadion als Fahnenstangen gedient hätten.

Dem früheren Amberger Fanclub Vilspiraten dürften sie nicht zuzuordnen sein. "Die sind jetzt eher ein Hobby-Eishockeyverein", erklärte Sugle. Er mutmaßt jedoch, in den Gruppierungen Horda Authentik, die sich selbst als Ultras einordnen, oder dem Commando Schwarz-Gelb (CSG) fündig zu werden. Wenn dem nachweislich so sei, kündigt der ERSC-Vorsitzende an, werde er sich dafür einsetzen, Stadionverbote auszusprechen. Außerdem wolle er das Gespräch suchen, stellt aber klar: "Gewalt gehört nicht ins Stadion."
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