Vom Filmriss zum Atemstillstand

Schon oft hat Peter Bublitz betrunkene Jugendliche per Blaulicht ins Krankenhaus begleitet. Der Rettungssanitäter erzählte an der Wirtschaftsschule von seinen Einsätzen. Bild: Huber

Schon wieder das Thema Alkoholmissbrauch. Zuerst zeigten sich die Zehntklässler ein bisschen belustigt. Als Rettungssanitäter Peter Bublitz dann aber von seinen Einsätzen erzählte, machte sich schnell Ernüchterung breit.

Das Mädchen, das im Vollrausch aufhörte zu atmen, war erst 15 Jahre alt. "Das war schon eine kritische Situation", berichtete Bublitz. Seit vielen Jahren rückt mit den Notärzten aus, arbeitet als Notfallseelsorger. An der Wirtschaftsschule gab er am Montag einen kleinen Einblick in den Blaulicht-Alltag.

In der Notaufnahme des Krankenhauses retteten die Ärzte das Leben der 15-Jährigen. Vorausgegangen war ein Abend, wie ihn viele Jugendliche schon erlebt haben: Vorglühen, Party, Weitertrinken im Haus eines Kumpels. Für das Mädchen hatte das Besäufnis lebensgefährliche Folgen. "Irgendwann merkten ihre Freunde, dass sie benommen war. Sie stellten sie unter eine kalte Dusche, weil sie fälschlicherweise meinten, das hilft", erzählte der Sanitäter. Erst als die Atmung aussetzte, riefen die Jugendlichen den Rettungsdienst.

Gruppenzwang brechen

Anlass für den Erfahrungsbericht war die Eröffnung der Wanderausstellung "bunt statt blau". Die Krankenkasse DAK zeigt in der Schule 14 Tage lang die besten Plakate ihres Kreativ-Wettbewerbes gegen den Alkoholmissbrauch. Das Siegerbild von mehr als 10.000 Einsendungen aus ganz Deutschland stammt aus der Krötensee-Mittelschule Sulzbach-Rosenberg. Verena Kobert und Nicole Underberg (beide 16) haben das Porträt einer jungen, kämpferischen Frau gemalt, die sich symbolisch ein blaues Kleid mit den Worten "Stay strong - say no to alcohol" vom Leib reißt.

"Im Schnitt landen bundesweit jeden Tag 70 Kinder und Jugendliche nach Alkoholmissbrauch im Krankenhaus", erklärte Stefan Wittmann von der DAK. Die Ausstellung solle helfen, Jugendliche zu sensibilisieren. Ein Anliegen, das Schulleiterin Brigitte Conchedda und Bürgermeister Martin Preuß voll und ganz unterstützen. "Wenn mit so einem Plakatwettbewerb auch nur ein einziger Schüler zum Nachdenken gebracht wird, hat er sich schon gelohnt", sagte Conchedda. Bürgermeister Preuß appellierte an die Jugendlichen, Stärke zu zeigen und den Gruppenzwang zu durchbrechen. "Traut euch, nein zu sagen!", forderte er die Zehntklässler auf.
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