Vom Kuscheln verletzt?

Am dritten Prozesstag brach er das Schweigen und ließ über seinen Verteidiger eine Erklärung abgeben. Darin steht sinngemäß, dass der vor dem Amberger Landgericht sitzende 35-jährige Schwandorfer nichts getan haben will, was ihn auch nur in die Nähe eines Sexualstraftäters rückt.

Dem Mann werden üble Delikte vorgeworfen. Er soll Frauen mit dem Beruhigungsmittel Diazepam in Tiefschlaf versetzt und dann sexuelle Handlungen an seinen Opfern vorgenommen haben (wir berichteten). Das bestreitet er jetzt. Als seine Erklärung, verlesen von Verteidiger Michael Haizmann, beendet war, hatte sich der Eindruck geformt: Treffen mit Frauen gab es, wohl aber keine sexuellen Übergriffe.

Drei Fälle stehen zur Debatte. Zumindest in einem räumte der 35-Jährige ein, einer heute 29 Jahre alten Frau in seiner Schwandorfer Wohnung ein Mittel zum besseren Einschlafen verabreicht zu haben. Dann, ließ er vernehmen, sei man gemeinsam in sein Bett gegangen. Dort allerdings habe er nichts getan, was unter Strafe stünde. Und die blauen Flecken am Körper der Frau, die man später ärztlich feststellte? "Womöglich vom Kuscheln", hörten die Richter der 4. Strafkammer.

Aussage nichtöffentlich

Ein zweites mutmaßliches Opfer hatte am zweiten Verhandlungstag nichtöffentlich ausgesagt. Von daher weiß man nicht, wie die 25-Jährige eine Begebenheit schilderte, die sich ihrer nahe Regensburg liegenden Wohnung zutrug. Der Angeklagte will mit ihr schon länger ein intimes Verhältnis gehabt haben. Nach einer Zeit der Trennung rief sie ihn angeblich an und er habe sie besucht. Dabei soll die Frau schon beim Empfang ihres Gasts leicht bekleidet gewesen sein. Später sei es dann zu Videoaufnahmen gekommen, die er mit seinem Handy gemacht habe. Dieser Film zeigt die Frau, wie sie im Tiefschlaf nackt auf einem Bett liegt und von einer männlichen Hand betastet wird. Mit ihrem Einverständnis? Das haben die Richter zu beurteilen.

Neue Beweisanträge

Es gibt noch einen weiteren Videofilm, der ähnliche Sequenzen offenbart. Dabei handelt es sich allerdings um eine andere Frau. Ihre Identität ist bisher ungeklärt. Wo und wann die Aufnahmen gemacht wurden, will der Schwandorfer heute nicht mehr im Gedächtnis haben. Es sei wohl geschehen, "als ich irgendwo spontan übernachtete", sagte er. Unterdessen sind durch die Verteidigung zwei Beweisanträge gestellt worden. Das könnte die Prozessdauer verlängern. Das Urteil war zunächst für heute geplant gewesen.
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