Von Henry Miller stammt "Das Lächeln am Fuße der Leiter". Eine zur Höchstform auflaufende Almut Grytzmann bietet die
Eher zum Haareraufen

Almut Grytzmann war bei der szenischen Lesung von Henry Millers Stück "Das Lächeln am Fuße der Leiter" voll in ihrem Element. Die Stadtbibliothek dagegen aber fast leer. Bild: Wolfgang Steinbacher
szenische Lesung dazu in der Stadtbibliothek. Am Klavier begleitet sie Michael Carleton mit Kompositionen von George Gershwin. Doch die Besucherzahl hält sich in Grenzen. Im einstelligen Bereich, genauer gesagt.

Besser hätte die Lesung "Das Lächeln am Fuße der Leiter" gar nicht platziert sein können. Schon am Weg zur Stadtbibliothek hing ein grandioser Nachthimmel über der Stadt. Sterne schimmerten durch vorbeitreibende Wolkenfetzen und ein beinahe voll-gerundeter Mond leuchtete hell am Himmel. Ein Mond, wie ihn der Clown August in der Erzählung von Henry Miller benötigt, um seine Leiter dagegen zu lehnen. Da sitzt er dann und träumt, denkt nach und verliert sich in Erinnerungen und Sehnsüchten.

Irgendwie verloren sitzen auch die wenigen Besucher im Lesecafé, wo Almut Grytzmann zur szenischen Lesung bereitsteht und Michael Carleton schon mal heftig in die Tasten des Klaviers greift. "Wenn der Mond aufsteigt, wird alles seinen rechten Platz finden", liest die Schauspielerin und Diseuse Almut Grytzmann. Sie spricht verhalten, aber mit Gefühl.

Jede Szene modelliert sie individuell, jeden Charakter formt sie unaufgeregt, aber sehr deutlich. Regisseur Horst Meister hat sich drei farbenfrohe "Spielpunkte" einfallen lassen, ein Stehpult, einen Stuhl und einen Hocker. Durch diese Szenerie begleitet die Schauspielerin den Clown, der die Menschen nicht nur zum Lachen bringen will, sondern ihnen "unablässige Freude" schenken möchte.

In der Hand hält Almut Grytzmann einen Packen Blätter, daraus liest sie vor. Sie steckt in weiten roten Hosen, darüber blaues Shirt und gelbe Bluse. Bunt eben, wie ein Clown stellt sie das Miller-Märchen von einem Besessenen, der auf der Suche nach sich selbst ist, vor. Sehr gefühlvoll, ohne Gefühlsduselei. Die Musik passt perfekt. Damit setzt Pianist Michael Carleton zusätzliche Farbtupfer, nicht nur, weil die Lesung mit der "Rhapsody in Blue" endet. Ein kleines Lächeln rang sich auch Bibliotheksleiterin Bettina Weisheit ab bei ihren Begrüßungsworten, obwohl ihr doch eher zum Haareraufen war, bei so viel leeren Plätzen.
Weitere Beiträge zu den Themen: März 2015 (9461)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.