Von Licht, Luft und Liebe

Als "sternenhagelvoll" sah ein begeisterter Dieter Mußemann den Altstadthimmel über Amberg "mit seinen abertausenden Lichtern", also der neuen Weihnachtsbeleuchtung. Er nutzte die Haushaltssitzung, um PWG und Stadtmarketingverein dafür zu danken. Denn die Stadt sei zwar mit einem nicht unerheblichen finanziellen Engagement in Vorleistung gegangen, "um ein Zeichen für Einzelhandel, Gastronomie und Dienstleistung zu setzen". Doch nur mit dem "enormen, großartigen, ehrenamtlichen und keineswegs selbstverständl

In eine Haushaltsrede muss man ein kluges Zitat einbauen, Begriffe wie Weitblick und Verantwortung sowie ein Lob der eigenen Anträge. Außerdem natürlich den Dank an alle, mit denen man dieses Jahr zu tun hatte. So weit, so langweilig. Man kann aber auch eigene Akzente setzen.

Die sechs Vertreter der Fraktionen im Stadtrat haben dies am Montag bei der Haushaltssitzung getan. Hier die persönlichen Haltungsnoten:

Dieter Mußemann (CSU)

Überraschte zu Beginn seiner 29-Minuten-Rede mit einem Hymnus auf die Weihnachtsbeleuchtung. Blies später zur "Parkplatz-Offensive" und umkurvte - jetzt schön in Schwung - auch das CSU-Reizthema Flüchtlinge nicht: An ihnen zeige sich die Leistungsfähigkeit der kommunalen Verwaltung und der Zivilgesellschaft. Die größere Aufgabe stehe aber noch bevor - die Integration. "Ich bin sicher, wir Amberger können Integration, aber sie wird nicht zum Nulltarif funktionieren." Da müssten Bund und Land ihre Versprechen einlösen.

Birgit Fruth (SPD)

Kokettierte nicht ungeschickt damit, erst vor kurzem "als Greenhorn in das Haifischbecken Politik" geworfen worden zu sein. Kam Mußemann mit 23 Minuten Sprechzeit erstaunlich nahe. Um den Preis, dass sie bis zum Pariser Terroranschlag ausholte. Der Einsatz der Amberger für Flüchtlinge beweise, dass man mit Recht den Titel einer liebenswerten Stadt trage. Um dieses Prädikat auch nach Feierabend in der Innenstadt zu erhalten, müsse die Stadt aber Flagge zeigen für neue Gastronomie, neue Ideen - und nicht gleich zurückrudern, wenn die ersten Beschwerden kommen.

Klaus Mrasek (ÖDP)

Sprach auch mit für den letzten verbliebenen Freien Wähler im Stadtrat und brauchte dafür nur gut sechs Minuten. Geht vom ÖDP-Credo der Sachlichkeit nicht ab. Nur ein frotzelnder Seitenhieb gegen die CSU: Die müsse lernen, dass man mit Partnergemeinden wie Ursensollen keine Auseinandersetzungen über die Presse führe, "dann klappt's auch mit dem Nachbarn".

Hans-Jürgen Bumes (Grüne)

Schlug den beiden großen Parteien in gut zehn Minuten um die Ohren, dass sie im Hauptausschuss Anträge in Höhe von 1,062 Millionen Euro ohne eine einzigen Deckungsvorschlag gestellt (die CSU) bzw. "noch schlimmer" sogar ganz auf die Ermittlung der Kosten für ihre Anträge verzichtet hatten (die SPD). Bewies dann als Einziger Rumpelstilzchen-Qualitäten, als er einem aufmüpfig dazwischenrufenden Dieter Mußemann anblaffte, er solle mal seine eigenen Anträge lesen, dann sehe er schon, dass das stimme.

Emilie Leithäuser (FDP)

Wollte als Ein-Frau-Fraktion und Bunten-Anhängsel eine eigene Rede halten, damit auch die FDP mal zu Wort kommt ("obwohl ich kein Mitglied bin"). Sprach dann in ihren acht Minuten auch eher als PWG-Aktivistin. Etwa bei der Forderung, die Neugründung von kleinen und mittleren Unternehmen, besonders in der Innenstadt, müsse "als Thema eins auf unserer Liste stehen".

Josef Lorenz (Amberger Bunt)

Neun Minuten für die schönste Sprechstimme. Brachte eine Vision mit: den kleinen Luftpark. Der nutzt den Pausenhof der Wirtschaftsschule als Amphitheater (mit Überdachung) für kulturelle Veranstaltungen. Die VHS soll die Räume der Schule abends für ihre Veranstaltungen nutzen und ein Büro im Reichert-Gebäude beziehen. Das erspare der VHS den Fachraum-Umbau.
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