Vor 65 Jahren im zerbombten Nürnberg geheiratet: Schusters feiern "Diamantene"
Jawort zwischen Trümmern

Zum 65. Hochzeitstag überbrachte Bürgermeister Martin Preuß (Mitte) die Glückwünsche der Stadt. Anni und Ernst Schuster haben am 2. Dezember 1949 in Nürnberg geheiratet. Bild: upl
Ihre Geschichte könnte das Drehbuch für einen Kinofilm füllen: Wie sich Anni und Ernst Schuster 1948 in der zerbombten Sebalduskirche in Nürnberg kennenlernten. Wie sie sich ein Jahr später am selben Ort - das Gotteshaus lag immer noch in Trümmern - das Jawort gaben. "Nur der Altar stand noch und die Orgel", erinnert sich der 93-jährige Ernst. Am Dienstag feierte das Paar aus dem Eisbergviertel diamantene Hochzeit.

Seit 65 Jahren sind die beiden nun verheiratet. "Es war ein Tag wie heute", erzählt Anni (86). "Genauso neblig. Und es hat auch ein bisschen geschneit." Im von Luftangriffen zerstörten Fürth baute sich das Paar eine Zukunft auf. Es war ein steiniger Weg: Ernst Schuster hatte nach einer schweren Verwundung erst wieder gehen lernen müssen, absolvierte trotzdem das Ohm-Technikum und arbeitete sich zum Chemie-Ingenieur bei der Bleistiftfabrik Schwan hoch. Nachdem er zur Dynamit AG gewechselt war, erhielt er den Auftrag, die Munitionsfabrik am Annabergweg in Sulzbach-Rosenberg zu leiten. 1983 ging er in Ruhestand.

Reisen und wandern

Seit 51 Jahren sind die Schusters Amberger: 1963 baute die junge Familie ein Haus im Eisbergviertel. Die drei Söhne sind allesamt sehr erfolgreich. Norbert, der älteste, taucht hin und wieder in Zeitungen und Fernsehberichten auf - er ist Chef des Erkundungsbergwerkes im niedersächsischen Gorleben. Das Reisen und das Wandern hat das Ehepaar jung gehalten. "Wir kennen jeden Wanderweg zwischen dem Birgland und Nabburg", sagt Ernst Schuster augenzwinkernd. Den 93-Jährigen dürften auch viele Bewohner des westlichen Landkreises kennen. Zu seiner aktiven Berufszeit ging Schuster in Augsberg, Wolfsfeld und Ehringsfeld auf die Jagd. Viele Jahre schon ist das nicht mehr möglich. Die Kriegsverletzungen machen sich wieder verstärkt bemerkbar. "Jetzt pflegen wir uns gegenseitig", sagt der Ehejubilar und lächelt seiner Frau zu.

Bürgermeister Martin Preuß überbrachte nicht nur die Glückwünsche der Stadt Amberg, sondern auch ein persönliches Schreiben des bayerischen Ministerpräsidenten. "Bleiben Sie lange gesund", wünschte Preuß. Heute kommen die Verwandten und Bekannten zu einer weiteren Feier im Hause Schuster zusammen.
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