Vor den diesjährigen Aufführungen: Fasenachts-Komitee feiert runden "Geburtstag" - Erfolgsstory ...
Neun Weiber im närrischen Alter von 20 Jahren

Amberg in der Oberpfalz
12.02.2001
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Von Hubert Süß

Nittenau. "Ihr habt uns gezeigt: Man muss das Niveau nicht immer weiter absenken, um die Quote oben zu halten." Der treffende Ausspruch kam von Gebhard Proske junior. Und er beschrieb am Freitagabend im voll besetzten Pirzersaal vor geladenen Gästen das Phänomen "Weiber-Komitee", das seinen 20. "Geburtstag" feierte: Zwei Jahrzehnte Unterhaltung, Komik und gute Laune - ohne einmal langweilig, banal, gewöhnlich oder gar billig daher zu kommen.

Der 20. Geburtstag: "Einer der Schönsten, die es gibt", sagte Weiber-Chefin Helga Proske eingangs. Die Lebensfreude und den Esprit dieses herrlichen Lebensalters strahlte die Gründerin und unangefochtene Spitze des Komitees samt ihren acht Mitstreiterinnen deutlich aus. Dass hinter Glamour und Gaudi, Theater und Tanz, Gesang und Geselligkeit viel Arbeit, Stress und "unsichtbare Mühen" stecken, kam beim Festabend selbstredend mehrfach zur Sprache.

Zweiter Bürgermeister Andreas Weigl brachte dazu in seinem Grußwort die Courage und die finanziellen Belastungen ins Spiel. Dies alles sei zu meistern, da sich im Weiber-Bund die Tugenden Freundschaft, Zusammenhalt, Nächstenliebe und Heiterkeit eine sichere Burg errichtet hätten. Wer Andreas Weigl kennt, der weiß: Da kommt noch'n Gedicht. Und so war es auch am Freitag. In seiner launigen Art reimte der Festredner zwei Jahrzehnte zusammen, bei denen Frohsinn, harte Arbeit, kleinere Widerstände und viel, viel Ideenreichtum zu ihrem Recht kamen. Mathilde Auburger gehört zum "Traditions-Komitee". Was einen staubig anmutenden Namen trägt, macht dem nicht alle Ehre. Mit einer flotten Variete-Einlage gratulierte der Zusammenschluss aus ehemaligen Aktiven und Helfern hinter den Kulissen zum "Runden". Doch vorher sprach Mathilde Auburger gerührt als Schirmherrin des "Jubiläums". Wie bei jeder markanten Jährung des ersten Auftrittes trägt der "Jubiläums-Orden" auch heuer Herzform. Symbol-Charakter hatte Auburger darin entdeckt.

Als Hort der Schätze, der Liebe, von Rhythmus und Leben, aber auch als "Lastenträger" spiele das Herz der "närrischen Weiber" in ihrer "Fasenacht" die zentrale Rolle. Im Gleichklang schlägt es mit dem Herz der TSV-Damenriege. Seit den Anfängen freundschaftlich verbunden, brachte Gabi Sporer für die rot-weißen Damen die Freude über das Patenamt zum Ausdruck.

Er bemühte die griechische Philosophie ebenso wie die Weisheit Karl Valentins, dessem Geist das Weiber-Komitee nahe stehe: Gebhard Proske junior hat als Sohn von Ober-Weib Helga Proske die Entwicklung der Idee, das kulturelle Leben der Stadt durch die alljährlichen Spitzen-Aufführungen zu bereichern, von Kindesbeinen an miterlebt. Daher war ihm die Rolle des Festredners nicht von ungefähr zugefallen. "Mut steht am Anfang des Handelns, Glück am Ende", beschrieb er die "Gründer-Zeit", als sich ein neuer Einfall dem Establishment stellen musste.

"Kunst ist schön, macht aber viel Arbeit." Mit Valentin erinnerte Proske junior an die Mühen hinter dem Erfolg, wobei auch der filmischen Dokumentation durch seinen Vater die entsprechende Rolle zukomme. Und dann war da noch die Erinnerung, wie er als Junge morgens in die Schule musste, und das Komitee immer noch im Wohnzimmer den Erfolg einer Spielzeit feierte. Die Entdeckung des Abends war sein "kleiner" Bruder Andreas zusammen mit Andreas Ernst. Eine der Lücken in der Kultur-Landschaft Nittenaus einnehmend boten sie feinstes Klavier-Kabarett, wobei das Deutsche Kunstlied für Episoden auf "Die Weiber" herhalten musste. "Wer reitet so spät durch Nacht und Wind? Die Helga und die Lisa (Malz), die auf der Suche sind" - nach einer geöffneten Pizzeria. Der Erlkönig kann da grade mal mithalten.

Der alte, melancholische Schubert musste beim "Wanderlied" ebenso seine Melodie "reinbuttern" wie bei der Ode "O Komitee", wobei die Neu-Textungen gefällig das eine oder andere Mal den Gipfel der Frivolität ansteuerten. Klavier-, Mienen- und Gestenspiel verdeutlichten den Gästen, dass es nicht bei dieser Premiere bleiben wird: Die kabarettistische Formation, bis dato ohne Namen, sollte sich in jedem Falle häuslich niederlassen im Nittenauer Kalender.

Helga Proske vergaß niemandem, dem zu danken sei. Auch ihre aktiven Damen nicht. Und wer sich bei den neun "20-Jährigen" auskennt, schätzt den Stellenwert, den die Wolf Resi einnimmt. Von Anfang an dabei, mit einem offenen Ohr für eine Jede, gebührte ihr die Ehrung, die ihr "die Helga" zuteil werden ließ. "Soll der Frohsinn bleiben in der Stadt, dass der Bürger seine Freude hat." Mit der "Po-ente" des Kabaretts ging der Festabend in die Geburtstagsfeier über. Stillschweigen herrscht noch darüber, um was es in den diesjährigen Aufführungen geht. Aber die stehen ja glücklicherweise unmittelbar bevor.
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