Vor entscheidenden Wochen

Das Feuer in der Luitpoldhütte geht nicht aus - auch wenn die Zahlung des Insolvenzgeldes mit Ablauf des Monats November endet, geht der Geschäftsbetrieb in den bisher gewohnten Bahnen weiter. Bild: Steinbacher

Die Luitpoldhütte (LH) steht vor entscheidenden Wochen: Zweieinhalb Monate nach Einreichung des Insolvenzantrags treten "Gespräche mit potenziellen Investoren in eine entscheidende Phase", wie es der vorläufige Insolvenzverwalter Dr. Hubert Ampferl (Nürnberg) am Freitag formulierte.

"Damit die Luitpoldhütte wieder wettbewerbsfähig wird, muss sie umfassend restrukturiert werden", ließ der Jurist über eine in Köln ansässige Agentur verlauten. Was dies im Detail bedeutet, dazu wollte sich ein Sprecher der Agentur nicht äußern. Vielmehr verwies er darauf, dass Ampferl erste Maßnahmen "zur Verbesserung der Ablaufeffizienz ergriffen" habe und externe Gießereiexperten prüfen lasse, wie sich Prozesse des Unternehmens verbessern ließen.

Über zehn Investoren

Erst nach einer umfassenden Restrukturierung werde man klarer sehen. Anwalt Amperl zitierend, hieß es dazu aus Köln: "Nur dann wird ein Investor bereit sein, den Geschäftsbetrieb zu übernehmen und die Investitionen zu tätigen, die erforderlich sind, damit die Luitpoldhütte wieder eine Perspektive hat."

Es sind wohl über zehn Investoren, mit denen der vorläufige Insolvenzverwalter derzeit Gespräche hinsichtlich des Erwerbs führt. Vorausgegangen sei eine europaweite Sondierung. Mit den Interessenten seien unterdessen Vertraulichkeits-Vereinbarungen getroffen worden, die diesen die Möglichkeit eröffnen, die technischen und wirtschaftlichen Gegebenheiten des Unternehmens an der Sulzbacher Straße zu überprüfen. Dazu habe es inzwischen auch zahlreiche Besichtigungen vor Ort gegeben. Daraus resultierend, so hieß es am Freitag aus Köln, "liegen bereits eine Reihe von indikativen Angeboten vor". Diese bildeten laut Ampferl die Grundlage der weiteren Gespräche mit dem Betriebsrat und der IG Metall, die nun beginnen sollen. Ob dabei auch über Personalreduzierung zu reden sei, ließ der Sprecher des Insolvenzverwalters offen.

Ab Dezember

Unberührt davon läuft der Geschäftsbetrieb "plangemäß weiter", bestätigte die Agentur und verdeutlichte auf Nachfrage, dass daraus ab Dezember die laufenden Gehälter bezahlt würden. Zugleich aber wurde auch "vorsorglich Kurzarbeitergeld" beantragt. "Ob dies dann genutzt wird oder nicht, hängt von der Auftragslage ab", erläuterte der Sprecher in Köln.

Regelmäßig informiert

Die Nachfrage habe sich erwartungsgemäß entwickelt, fuhr er fort, ohne Zahlen nennen zu wollen. Dies resultiere wohl auch daraus, dass "alle Kunden regelmäßig über den Verlauf des Verfahrens informiert" würden. Diese schätzten nach wie vor die hohe Qualität der Gussteile aus Amberg und hielten dem Unternehmen die Stange.

Zusammenfassend teilte Rechtsanwalt Ampferl in einem Schreiben an Medienvertreter mit: "Der bislang erfolgreiche Verlauf des Verfahrens ist auch dem großen Engagement der Belegschaft geschuldet. Daneben erhalten wir auch aus der Region sowie aus der Landespolitik viel Zuspruch und aktive Unterstützung."

Wie in den vergangenen Jahren auch, wird die Arbeit in der Gießerei über die Weihnachtsfeiertage und Neujahr ruhen: "Vom 22. Dezember bis 5. Januar sind die üblichen Betriebsferien", beantwortete der Agenturvertreter am Freitag eine entsprechende Nachfrage. Bis dahin freilich dürften längst wichtige Weichenstellung für die weitere Zukunft der Luitpoldhütte erfolgt sein. Dabei fließt sicher auch die Erkenntnis ein, dass die ursprünglich für das vierte Quartal 2015 erwartete Markterholung "nach neuesten Erkenntnissen frühestens 2017 einsetzen" wird.
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