"Vorbilder unserer Gesellschaft"

Viele Hände mussten Brandmeister Josef Singer, Stadtbrandinspektor Philipp Seegerer und Stadtbrandrat Bernhard Strobl (von rechts) beim Neujahrsempfang schütteln.

Das Jubiläum "150 Jahre Freiwillige Feuerwehr Amberg" wirft seine Schatten voraus. Beim Neujahrsempfang seiner Truppe deutete Stadtbrandrat Bernhard Strobl in einem Ausblick auf die Highlights an, dass es beim Festakt am 10. Juli im ACC "schon a weng länger" dauern könnte.

Gedacht werde dann auch des 70. Jahrestags des Bombenangriffs auf Amberg, bei dem sieben Feuerwehrleute nahe der Leopoldkaserne ums Leben kamen. Das Wachfest, die Abnahme des Bundesleistungsabzeichens und die Tagung des bayerischen Landesfeuerwehrverbands in Amberg seien weitere Großereignisse im Jubiläumsjahr, listete Strobl auf.

Wenn es die Feuerwehr in Amberg 150 Jahre gebe, so betonte der Stadtbrandrat am Sonntagvormittag beim Empfang in der Hauptwache am Schießstätteweg, dann werde man dieses Ereignis das ganze Jahr über gebührend feiern. Die Feuerwehr gelte als Phänomen, sagte Strobl.

Oft grausige Szenen

Denn keine andere Organisation und kein anderer Verein verlangten von den Mitgliedern, dass sie etwa nachts um drei Uhr bei Minusgraden aus dem warmen Bett springen, in die kalte Schutzkleidung schlüpfen und ausrücken. Oftmals müssten sie grausige Szenen erleben, mit der Folge, dass sie nach dem Einsatz häufig keinen Schlaf mehr finden. Von der "gleichgültigen" Gesellschaft werde dieses Verhalten belächelt, vielfach auch als "verrückt" angesehen.

Vor 150 Jahren sei die Brandbekämpfung Sache der Bürger gewesen, blickte Bernhard Strobl zurück. Nur einige Berufsgruppen, wie die Bader, habe der Rat besonders verpflichtet, denn sie hatten Wannen und Scheffel für Löschwasser. Mitte des 19. Jahrhunderts habe sich im Turnverein das "Steigerkorps" gegründet - "zur Körperertüchtigung, um besonders tüchtige Steiger für die Feuerwehr heranzubilden".

Am 12. Juli 1865 wurde die Feuerwehr offiziell ins Leben gerufen. Damit, betonte der Stadtbrandrat, sei sie auf den heute noch aktiven TV 1861 zurückzuführen. In den Folgejahren habe der Magistrat die Feuerwehr unterstützt. 1896 sei in der Zeughausstraße die erste Feuerwache gebaut worden.

Strobl erinnerte an ehemalige Kommandanten wie Robert Gierl, Fritz Busch, Hans Platzer oder Karl Seegerer, den langjährigen Leiter der Berufsfeuerwehr in München. Selbstverständlich ist in Strobls Augen die Zusammenarbeit mit Polizei, Technischem Hilfswerk und Rotem Kreuz. Hervorzuheben sei die Unterstützung durch die Stadt: Sie habe bereits 1914 die erste Automobilspritze, 1934 zum 900-jährigen Bestehen Ambergs eine Drehleiter mit 30 Metern Steighöhe und 2009 den Teleskop-Gelenkmasten bewilligt. Parteiübergreifend stehe der Stadtrat zu "seiner" Feuerwehr, die ihre Beschaffungs-Wünsche genau überdenke.

Gäste des Neujahrsempfangs waren neben Vertretern aus Politik und Wirtschaft die Feuerwehr-Führungskräfte aus der ganzen Oberpfalz. Oberbürgermeister Michael Cerny meinte, Feuer sei wichtig für den Menschen als Wärmequelle oder zum Schmelzen und Verarbeiten von Metallen. Trotzdem bleibe es eine Naturgewalt und berge viele Gefahren. Brandschutz sei sicher so alt, wie der Umgang des Menschen mit dem Feuer. "Retten, löschen, bergen, schützen", das seien heute die Aufgaben der Feuerwehr. Dafür ließen die ehrenamtlichen Helfer praktisch in jeder beruflichen oder privaten Situation alles liegen und stehen, würdigte der OB die Einsatzbereitschaft.

Dank von Cerny

Feuerwehrleute verdienten unser aller Anerkennung, fuhr Cerny fort. Sie seien "Vorbilder in unserer Gesellschaft" und schnelllebigen Zeit. Dass sie im Einsatz oft auch noch ihr Leben riskieren, sei nur am Rande erwähnt. Cerny erinnerte an die Brandserie im Jahr 2013, bei der es der Feuerwehr zu verdanken gewesen sei, dass Nachbaranwesen von den Flammen verschont blieben.
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