Wahre Liebe wertvoller als jeder Schatz

Überzeugende Darstellerinnen und perfekte Bühnenbilder, wohin das Auge reicht. Gymnasiastinnen und Realschülerinnen brachten das Musical "Sindbad" auf die Bühne. Bild: Steinbacher
Die Dr.-Johanna-Decker-Schulen gibt es seit 175 Jahren. Logisch, dass dieses Jubiläum gefeiert wird. Zum Beispiel mit einem nicht alltäglichen Musical.

Gleich zu Beginn von "Sindbad" geht es hoch her: Orientalische Wächter mit einem stimmgewaltigen Hauptmann (Tia Stoll) jagen einen Dieb mitten durch die Zuschauer. Im Haus des alten Sindbad (Lisa-Maria Rösch) findet er Zuflucht, und der greise Seefahrer fühlt sich an seine Jugend erinnert, aus der er erzählt.

Die Handlung enthält eine Reihe aufregender Ereignisse: Der junge Sindbad (Sonja Hummel) kauft bei einem Händler eine geheimnisvolle Karte, auf der ein Schatz verzeichnet ist und von dem er sich ein Leben in Reichtum verspricht. Das Schiff eines verbrecherischen Kapitäns (Marie Klier) soll ihn zum Versteck bringen. Doch das Schiff geht bei einem Sturm unter, die Besatzung, Kapitän und Sindbad werden an Land gespült, wo sie von Prinzessin Laila (Lisa Stoll) aufgespürt werden.

Sindbad hat es eilig, zu dem Schatz zu kommen, und so kapert der Kapitän kurzerhand ein Schiff für die Weiterfahrt. Auf der abenteuerlichen Reise, bei der die Seefahrer fast von den verführerischen Sirenen an eine Klippe gelockt werden und beinahe einem unwirschen Wal (Lisa-Maria Rösch in ihrer Zweitrolle) zum Opfer fallen, gibt sich der neue Matrose als verkleidete Laila zu erkennen. Diese hat sich mit aufs Schiff geschlichen, um einer von ihrem Vater, dem Sultan, arrangierten Ehe zu entgehen.

Die emanzipierte Sultanstochter widersteht dem Werben des machtgierigen Kapitäns, der am Ende auch den Schatz nicht bekommt, weil die Höhle über ihm und seiner Mannschaft einstürzt. Gerade noch davor bewahrt, ebenfalls unter den Trümmern begraben zu werden, entdecken Leila und Sindbad ihre Liebe zueinander, und damit endet auch die Binnengeschichte. Der Rahmen schließt sich, als der alte, kinderlose Sindbad den jungen Dieb adoptiert. Inszenierung und Ausstattung erzeugten an eine Stimmung wie aus Tausendundeiner Nacht, zum einen durch das variable Bühnenbild (Veronika Thomann mit Klasse G7a), das einmal Meereswellen, einmal eine arabische Stadt herbeizauberte; zum anderen durch die von Sigrid Ringeisen passend und pfiffig entworfene Choreographie, nach der nicht nur die diebischen Matrosen oder das Liebespaar am Ende tanzten, sondern auch die eifrigen Marktleute.

Eine eindrucksvolle Leistung boten Chor und Orchester, die immer rhythmisch sicher und musikalisch geschickt agierten. Die Solistinnen Sonja Hummel, Lisa Stoll, Marie Klier und Lisa-Marie Rösch bewältigten ihre Partien mit Bravour, wobei vor allem die zweistimmigen Passagen der Lieder durch perfekte Intonation und engagierten, einfühlsamen Vortrag überzeugten. Mit zur Qualität des Klangs trugen Regina Fibich-Wiesneth (Stimmtraining) und Georg Luft (Tontechnik) bei.

Wunderbar gelungen war auch die Verknüpfung von Spiel, Bewegung und den Liedern und der Musik aus der Feder von Franz Hanauska, der vom Keyboard aus das Orchester und damit die ganze Aufführung leitete. Die gekonnte Regie des Spielleiters Andreas Hilgart, der auch für den Text verantwortlich war, ließ keinerlei Langeweile aufkommen.
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