Wallfahrt zum Wiesheiland

Die Wieskirche in Steingaden, im oberbayerischen Pfaffenwinkel, ist zweifellos eine der bekanntesten Wallfahrtsstätten im Freistaat. Weniger geläufig ist, dass Amberg auch ein solches Pilgerziel hatte - eine Wallfahrt zur Wieskapelle und darin auch einen eigenen Wiesheiland.

"Diese Wallfahrt gibt es nicht mehr", erläutert Stadtheimatpflegerin Beate Wolters - "aber die Wieskapelle, die gibt es wieder". Ihre Geschichte gehe zurück auf die Mitte des 18. Jahrhunderts: "1753 ist an die Sebastianskirche eine kleine Kapelle angefügt worden. Dort ist eine Figur des gegeißelten Heilands aufgestellt worden."

Zum Ablass gepilgert

Das alleine mache freilich noch keine Wallfahrt aus, schränkt Wolters ein. "Ich denke, dass dabei auch noch Ablässe eine Rolle gespielt haben: Wenn man die Figur besucht hat, hat man einen Ablass erwirken können."

Ein ganz sicherer Beweis dafür, dass die Amberger einst nach St. Sebastian gepilgert seien, sei aber, "dass es einen Kreuzweg gegeben hat - vom Wingershofer Tor bis hinauf zur Kirche, zum Wiesheiland". Das sei der Wallfahrtsweg gewesen. Der Kreuzweg existiere heute nicht mehr.

Von Linden gesäumt

Damals war er laut Wolters von Linden gesäumt: "Davon stehen noch einige, vereinzelte Exemplare. Aber das weiß man nur, wenn man weiß, dass es da mal eine Allee hinauf gegeben hat, die den Kreuzweg begleitet hat." Für die heutigen Anwohner seien es wahrscheinlich nur ein paar alte Bäume - "aber das ist die frühere Lindenallee, die den Kreuzweg gesäumt hat".

Wolters weiß nicht, wann genau diese Wallfahrt in Vergessenheit geraten ist. "Aber im 19. Jahrhundert hat sie wohl nicht mehr bestanden."

Erst Monsignore Hans Roidl - der frühere Pfarrer von St. Georg, der nach Antritt seines Ruhestands nach Sebastian gewechselt ist - habe diese Tradition neu belebt. Er habe auch dafür gesorgt, dass wieder eine Figur eines gegeißelten Heilands in die Wieskapelle kam, "so dass diese jetzt wieder vollständig ist".
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