Warum man besser durch München kommt als ums Ei
Die Dynamik bremst

Grüne Welle? In Amberg eher nicht. Wer auf dem Altstadt-Ring unterwegs ist, kennt diese Situation: Die Ampel im Vordergrund zeigt Rot, die nächste - noch - Grün. Aber das nützt den Wartenden nichts. Denn bis sie losfahren dürfen, hat Ambergs berühmter Dirigent die hinteren Lichtzeichen schon wieder auf Rot gestellt. So kann es sein, dass man auf einer Fahrt rund ums Ei an jeder Ampel halten muss. So widersinnig das klingt: Der Grund dafür ist die dynamische Ampelschaltung. Sie reagiert auf untersch
Ein Kollege hat's ausprobiert: mit dem Pkw einmal quer durch München. Ohne Ampelstopp. Wenn der Amberger Autofahrer das hört, kann er nur lachen. Oder weinen - je nachdem, wie viel Humor er hat. Oberbürgermeister Michael Cerny hat Humor. Aber selbst er hatte schon im vergangenen Jahr gesagt: "Da muss jetzt mal was passieren."

Getan hat sich seither nichts. Zumindest nichts, was die Verkehrsteilnehmer merken. Dem OB geht's ähnlich. Er muss auf Nachfrage der AZ passen: "Da kann ich Ihnen ehrlich gesagt keinen aktuellen Stand sagen." Und fügt, fast ein wenig ratlos, hinzu, "vielleicht haben wir da selber resigniert." Dabei hatte der Stadtrat schon Geld bereitgestellt für zusätzliche Zählschleifen. Und die Bürger waren aufgefordert, zu melden, an welchen Ampeln sie den dringendsten Handlungsbedarf sehen.

"Dass man heute an einer Ampel länger steht als vor zehn Jahren, ist schon irgendwo erklärbar", sagt Cerny: Der Verkehr habe ganz einfach zugenommen. Das ist ein Grund dafür, dass es nicht rund läuft auf Ambergs Straßen. Einen weiteren liefert der Ampeldirigent. Der ist, das weiß der OB, "das, was die meisten am meisten ärgert". Vor dem Dirigenten hatte Amberg eine statische Ampelschaltung. Cerny erklärt das so: "Da weißt du, fahre ich 40, dann komm' ich bei Grün durch. Dafür muss ich entweder Gas geben oder langsam tun - und dann komm ich hin." Hier habe eigentlich jeder seinen Rhythmus gehabt. "Bei dem dynamischen System, das wir jetzt haben", sei das anders, erklärt Cerny: Hier wechseln die Ampelschaltungen während des Tages mehrfach - "und gefühlt kommst du immer bei Rot an".

Cerny leistet sich einen Freud'schen Versprecher: "Wir waren Pilotproblem." Tatsächlich war Amberg Pilotprojekt in Sachen Ampeldirigent. Aber der OB hat schon recht: Das Projekt hat ein Problem. "Der größte Fehler war, dass vorher nicht der Ist-Stand erfasst wurde." Deshalb könne man nicht objektiv beurteilen, ob die Wartezeit an den Ampeln zugenommen hat. Bleibt der gefühlte Ärger. Und das, gibt Cerny offen zu, "ist unbefriedigend". (Glosse)
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