Was geschah mit willenlos gemachten Frauen? - Jetzt könnte es eng werden für den Beschuldigten
Ermittler finden ein weiteres Opfer

Ein genauer Termin ist zwar noch nicht angesetzt. Doch fest steht, dass es in den nächsten Monaten zur Neuauflage eines spektakulären Prozesses vor dem Landgericht kommen wird. Auf der Anklagebank sitzt dann abermals ein zwischenzeitlich 34-Jähriger aus Schwandorf, der Frauen mit dem Beruhigungsmittel Diazepam gefügig gemacht und anschließend sexuell missbraucht haben soll.

Der Mann war im Vorjahr von einer Strafkammer des Amberger Landgerichts zu drei Jahren Haft verurteilt worden (wir berichteten). Die Staatsanwaltschaft ging daraufhin in Revision zum Bundesgerichtshof und hatte Erfolg: Der BGH kassierte das Urteil und wies das Landgericht Amberg an, vor einer anderen Strafkammer neu zu verhandeln. Das wird nun unter dem Vorsitz des Richters Dr. Stefan Täschner geschehen. Die Bundesrichter hatten eine Reihe der dem Ersturteil zugrunde liegenden Umstände gerügt und von "Rechtsfehlern" gesprochen.

Zunächst nicht bekannt

In dem ersten Prozess war nur eine von drei Geschädigten als Zeugin aufgetreten. Der Mann hatte sie in seine Schwandorfer Wohnung gebracht, mit dem hoch dosierten Beruhigungsmittel in einen Tiefschlaf versetzt und dann sexuell missbraucht. Von den beiden anderen Frauen gab es nur zwei per Handy aufgenommene Videos. Die Aufnahmen zeigten sie im Tiefschlaf und offenbarten auch, wie die nahezu unbekleideten Frauen von einer männlichen Hand betastet und begrapscht wurden. Die Identität der beiden mutmaßlichen Opfer konnte allerdings nie geklärt werden.

Von daher stellte sich der damals urteilenden Strafkammer die Frage, ob die Frauen möglicherweise mit der Vorgehensweise des Täters einverstanden waren. Da das nicht mit letzter Sicherheit verneint werden konnte, gab es in diesen beiden Fällen einen Freispruch.

Unabhängig von ihrem erfolgreichen Revisionsantrag zum Bundesgerichtshof ist es unterdessen der Staatsanwaltschaft Amberg dem Vernehmen nach gelungen, zumindest eine dieser beiden Frauen ausfindig zu machen. Sie dürfte nun bei der Neuauflage des Verfahrens eine wichtige Rolle spielen. Der in Haft sitzende Angeklagte hat unterdessen seinen Anwalt gewechselt. Er wird jetzt durch einen renommierten Regensburger Strafverteidiger vertreten.
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