Weihnachtsoratorium groß wie selten mit 150 Leuten

Gut, dass der Altarraum der Paulanerkirche relativ groß ist. Das musste er allerdings auch sein, um die rund 150 Mitwirkenden des Weihnachtsoratoriums aufzunehmen, das in dieser stattlichen Größe von Laienensembles eher selten zu hören ist. Neben dem Konzertchor von Paulaner und den Solisten versammelten sich hier die Schüler des Max-Reger-Gymnasiums, ehemalige Abiturienten und einige ebenso virtuos teilnehmende Lehrer. Bild: Huber
Die vielen Proben und der organisatorische Kraftakt, der erforderlich war, um die zahlreichen Beteiligten unter einen Hut zu bringen, haben sich gelohnt. Das Weihnachtsoratorium von JohannSebastian Bach, das in der Paulanerkirche aufgeführt wurde, war ein voller Erfolg.

(frj) Dabei ist dieses Oratorium streng genommen gar keines, sondern eine Folge von sechs Kantaten, die der Barockmeister für die Sonntage ab dem ersten Advent geschrieben hat. Bach kombinierte Eröffnungs- und Schlusschoräle, die Rezitative und Arien, die teilweise eigens für diese Kantaten komponiert wurden, mit bereits vorhandenem Material, das ihm, dem Schöpfer einer schier unendlichen Anzahl von Werken der verschiedensten Genres, zur Verfügung stand.

Was also macht den Zauber gerade dieser Kantaten-Reihe - neben der Matthäus-Passion für das Osterfest das wohl am häufigsten aufgeführte Chorwerk Bachs - aus? Mit rein musikwissenschaftlichen Theorien kann diese Frage nicht beantwortet werden. Die Erklärung gibt hier nur das Herz. Ein großer Teil des Gelingens lag im Engagement der Ausführenden und der Qualität ihrer musikalischen Künste. Ob als Solist, als Mitglied des Chors oder des Orchesters, das Weihnachtsoratorium verlangte von allen Beteiligten vollen Einsatz. Diese Bedingungen waren bei der Aufführung durch den Konzertchor der Paulanergemeinde, den Chor und das Orchester des Max-Reger-Gymnasiums erfüllt. Und die Sänger nahmen die Bach'sche Aufforderung "Jauchzet, frohlocket" des Eingangschors ernst. Die Worte schienen machtvoll aus den Kehlen zu drängen und der Welt die Begeisterung über die bevorstehende Geburt Christi mitteilen zu wollen. Dabei wurde der Chor von einem Orchester unterstützt, das mit seinem vollen Einsatz dem Werk das nötige Maß an Opulenz verlieh.

Ein Glücksfall war auch die Besetzung der Solo-Partien. Die Sopranistin Ramona Friedrick und Susanne Oehm-Henninger (Alt) glänzten mit ihren Arien. Und auch die Herren Michael Wolfrum (Bass) und vor allem der Tenor Karl Schineis erfüllten mehr als ihr Soll. Letzterer ließ die erzählerischen Elemente seiner Rezitative mit viel Gefühl für die Intentionen des Komponisten und die Erwartungen des Publikums klar und mit hoher Textverständlichkeit erklingen.

Unter der souveränen Gesamtleitung von Dekanatskantorin Kerstin Schatz ließen sich die Beteiligten Vokalisten und Instrumentalisten zu einer höchst konzentrierten, aber nicht angestrengt wirkenden Leistung mitreißen und läuteten damit musikalisch die Weihnachtszeit ein.
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