Weil er sich der Order widersetzte, bei seiner Rückkehr von einem Freigang sogenannte Kräutermischungen in
Faustrecht hinter Gittern

die Justizvollzugsanstalt einzuschmuggeln, bekam ein Häftling heftige Hiebe. Der Täter, ein Mann mit Knasterfahrung, saß jetzt vor dem Landgericht.

(hwo) Der bemerkenswerte Satz kam vom Angeklagten. Er sagte zu seinen Richtern: "Sie wissen doch selbst, dass es in der JVA Amberg ein Riesendrogenproblem gibt." Der Mann wusste, wovon er redete. Erstens saß er dort längere Zeit, zweitens war er von Giften wie Crystal Speed abhängig und ist es offenbar weiterhin. Der heute 28-Jährige, im Bayerwald daheim, hat unterdessen zehn Jahre seines Lebens hinter Gefängnismauern verbracht. Eine fast schon sprachlos machende kriminelle Karriere, die auch einen Zwischenfall enthält, der sich 2012 ereignete.

Als Drogenersatz

Der Oberpfälzer, damals in der Amberger Justizvollzugsanstalt, wollte offenbar einen Handel mit Kräutermischungen und sogenannten Subutex-Tabletten, einem Drogenersatzmittel, in der Anstalt aufziehen. Dazu aber brauchte er einen geeigneten Kurier. Was dann geschah, hatte bereits ein Schöffengericht beschäftigt. Dort gab es zweieinhalb Jahre wegen mehrfacher Körperverletzung und versuchter Nötigung.

Einem Mithäftling war quasi "befohlen" worden, von Freigängen das zum Handel und zum Eigenverbrauch benötigte illegale Material mitzubringen. Der Mann widersetzte sich und wurde übel mit Faustschlägen traktiert. Dabei fiel auch der Satz: "Ich schlag' dich zum Krüppel."

Dafür erneut zweieinhalb Jahre einrücken? Der 28-Jährige mochte das nicht und ging in Berufung. Das tat auch die Staatsanwaltschaft, deren Antrag in erster Instanz auf dreieinhalb Jahre gelautet hatte. Vor der 3. Strafkammer des Landgerichts stellte sich nun heraus: Der Angeklagte ist ein Fall für die Drogentherapie. Das war er früher auch schon. Doch zwei solcher Maßnahmen wurden erfolglos von ihm abgebrochen.

"Was tun wir?", lautete die Frage des Kammervorsitzenden Gerd Dreßler. Der Sachverhalt stand fest, es musste nur noch über die weitere Vorgehensweise entschieden werden. Dem Beschuldigten wäre dabei eine für ihn sehr angenehme Lösung recht gewesen. Nämlich: Möglichst wenig Therapiezeit und am besten kein weiterer Haftaufenthalt. Doch das ließ sich nicht machen.

Zweieinhalb Jahre

Was am Ende des Prozesses stand, war: Es bleibt bei den erstinstanzlich verhängten zweieinhalb Jahren, wobei der Mann eine von Landgerichtsarzt Dr. Reiner Miedel empfohlene Langzeittherapie antreten kann. Sie dauert mindestens 18 Monate. Fraglich ist allerdings, ob der Verurteilte sie durchhält. Der 28-Jährige akzeptierte. Allerdings erst nach längeren Gesprächen mit seinem Anwalt Dr. Georg Karl (Regensburg). Am Rande der Verhandlung war deutlich geworden, dass das nächste Strafverfahren bereits läuft. Dabei steht ein mutmaßlich geleisteter Meineid im Mittelpunkt.
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