Weltchronik eines Ambergers

Fruchtvoll wie dieses Orangenbäumchen waren schon viele Ausstellungen in der Provinzialbibliothek, die sich vor allem mit ihrem barocken Saal als wahrem Schmuckstück einen Namen für gute Wissensschauen gemacht hat. Im September gibt es erneut eine Fortsetzung über den einst auch in Amberg tätigen Weltchronisten Hartmann Schedel. Archivbild: Hartl

"Welten des Wissens": Das sind Bibliotheken sowieso schon. Diesen Titel trägt aber auch eine neue Ausstellung in der Amberger Provinzialbibliothek, die sich hier in den vergangenen Jahren besonders hervorgetan hat. Mit sehenswerten Schauen zu bestimmten Themen - eben als wahre Welt des Wissens.

Von 17. September bis 30. Oktober zeigt die staatliche Einrichtung am Malteserplatz die Ausstellung "Die Bibliothek und die Weltchronik des Stadtarztes Hartmann Schedel (1440-1514)". Es handelt sich um eine erlesene Auswahl aus der Schatzkammer-Schau, die zum 500. Todestag des einst auch in Amberg wirkenden Mediziners im vergangenen Jahr in der Bayerischen Staatsbibliothek über die Bühne ging und nun zu seinem 575. Geburtstag in die Vilsstadt zieht. Die in München verwahrte Privatbibliothek Schedels zählt laut Pressemitteilung zu den bedeutendsten ihrer Zeit und umfasst Werke aus allen Disziplinen des Spätmittelalters: Rhetorik, Astronomie, Philosophie, Literatur Geschichtsschreibung, Medizin, Jura, Theologie, Geografie, Kosmographie.

Von 1477 bis 1481 Stadtarzt

In seiner Bibliothek trete Hartmann Schedel auch als Person in Erscheinung. Sowohl seine verwandtschaftlichen Verbindungen als auch sein Besitz würden dokumentiert. Von 1477 bis 1481 war er Stadtarzt in Amberg gewesen, bevor er schließlich in gleicher Funktion in seine Heimatstadt Nürnberg zurückkehrte. Als solcher behandelte er viele Mitglieder der politischen, wirtschaftlichen und geistigen Elite der Region. Sein Einzugsgebiet während der Amberger Jahre reichte bis nach Weiden, Nabburg, Kallmünz, Sulzbach, Auerbach und Kemnath - also in Orte, die mitunter mehr als eine Tagesreise entfernt waren. Schedel unternahm auch zahlreiche Krankenbesuche in den Klöstern, in denen er Zugang zu seltenen Werken erhielt - wie etwa in Reichenbach und Ensdorf.

Von kaum einem anderen Autor des 15. Jahrhunderts sind durch handschriftliche Einträge, aber auch Wappenbilder und Porträts so viele private Details bekannt. Anhand seiner einzigartigen Handschriften und seltenen Wiegendrucke wird Schedels Persönlichkeit für uns heute wieder lebendig, freut sich die Bibliothek auf ihre Schau.

"Bücher sind treue Freunde", hatte der Arzt im Jahr 1461 geschrieben, als er hörte, dass sein jüngerer Vetter viel Geld für ein Buch ausgegeben hatte. Anstatt den damals 20-jährigen Studenten dafür zu tadeln, war Hartmann der Meinung, dass das Geld gut angelegt war. Bücher seien nämlich die besten und aufrichtigsten Ratgeber, die man finden könne.

Bücher aller Fachgebiete

Der junge Schedel folgte diesem Rat sein Leben lang. Der Mediziner, Astronom und Humanist trug eine Büchersammlung zusammen, die am Ende des 15. Jahrhunderts ihresgleichen suchte. Sie umfasste eine große Bandbreite von Werken aus allen Fachgebieten, von der antiken Literatur bis zur zeitgenössischen Geschichtsschreibung. Schedels berühmte "Weltchronik", die der Nürnberger Verleger Anton Koberger 1493 herausbrachte, machte dieses Wissen in Bild und Text zugänglich. Vor allem wegen der zahlreichen Stadtansichten ist sie bis heute weltbekannt.
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