Wenn ein deutscher Esel auf Türkisch ruft

Wenn "Das fliegende Kamel - Uçan Deve" als deutsch-türkische, musikalisch untermalte Lesung abhebt, zeichnet der bekannte Kinderbuchautor Paul Maar (sitzend, Mitte) eine Märchenwelt, in der sich das Abend- und das Morgenland sehr nahe sind. Bild: Hartl

Nicht nur Wirtschaft und Politik sind global. Auch Märchenfiguren. Der orientalische Till Eulenspiegel heißt beispielsweise Nasreddin Hodscha.

Schade, schade, dass so viele Stühle am Sonntagnachmittag im Stadttheater unbesetzt blieben. Dabei war doch ein bekannter Geschichtenerzähler angekündigt - der Buch- und Theaterautor Paul Maar. Er erfand das Sams und schrieb noch Bücher wie "Lippels Traum", "Kikerikiste" oder "Herr Bello". In Amberg las er musikalisch inszeniert aus seinem Buch "Das fliegende Kamel". Wie ein orientalischer Märchenerzähler saß Maar in der Mitte der Bühne. Neben ihm die türkischen Sprecher und Musiker Murat Coskun und Ibrahim Sarialtin. Dahinter viele spannende, zum Teil unbekannte Instrumente aufgebaut, die von Anke, Andreas, Thomas und Wolfgang Spindler von der Capella Antiqua Bambergensis gespielt wurden.

Ganz alte Geschichten

Angezogen war er ganz normal, er hatte sich keinen Turban aufgesetzt oder in einen Kaftan gehüllt. Dafür aber zauberte er viele kunterbunte und lustige Geschichten von Nasreddin Hodscha hervor. Diese Figur ist ein Till Eulenspiegel aus dem Orient. Er spielte seine Streiche so im 14. Jahrhundert. Weil Maar ja ein hervorragender Schriftsteller ist, hat er einige dieser alten Geschichten nach- und neu erzählt. "Ich habe mich gefragt, was würde Nasreddin Hodscha heute erleben in Berlin, Frankfurt oder auch in Amberg?"

Toll untermalt

Mit Dudelsack, Trommel, Tamburin und Langhalsflöte, mit Portativ-Orgel, Glöckchen, Holzklapppern und Schellenrassel, mit Harfe und einer Art Hackbrett, mit Mizmar, der arabischen Klarinette, Saz, der türkischen Langhalslaute, und noch vielen unbekannten Instrumenten des Mittelalters illustrierten die vielseitigen Musiker die Geschichten mit Melodien aus der Zeit, in der Nasreddin Hodscha gelebt haben soll. Dabei schnatterten sie wie eine Gans, oder schrieen wie ein Esel. Übrigens, der deutsche Esel schreit i-ah, der türkische ruft ah-i! So war es jedenfalls ganz deutlich in der Übersetzung zu hören, die die türkischen Sprecher vorlasen.

Der fünfjährige Leon saß mit seiner Oma nicht zum ersten Mal im Stadttheater, erzählte er stolz. Er wusste später den Kindern aus der Eichhörnchengruppe im Kindergarten viel von der magischen Musik zu berichten. Bei der sanften Glöckchenweise applaudierte er besonders heftig. Kilian (10) gefielen die kurzen Geschichten gut. Er verstand die alten und neuen Anekdoten von Nasreddin Hodscha, die meist überraschend, schlau und scharfsinnig enden, sofort. Am Ende spendeten die großen und kleinen Besucher viel Beifall für diese literarisch-musikalische Reise in das Land des berühmtesten Narren und Geschichtenerzählers der islamischen Welt.
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