Wenn Oma nicht wäre

Die Rolle der Großmütter in den unterschiedlichsten Kulturkreisen beleuchtete die Psychologin Michaela Schneider bei einem Vortrag im Haus des Sozialdiensts katholischer Frauen. Bild: Uschald

Meist klischeehaft nur als liebe alte Frau gezeichnet, kommt Großmüttern Kulturkreise übergreifend eine zentrale soziologische, gesellschaftliche und ethnografische Rolle zu. So lange der Familienverbund noch existiert.

Über "Stille Heldinnen - Die Bedeutung von Großmüttern für Ihre Gemeinschaft in verschiedenen Kontinenten" referierte die Psychologin Michaela Schneider vor einem interessierten Zuhörerkreis beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF). Ausgangspunkt dieses Vortrags der Referentin für Biografiearbeit war eine Veranstaltung des Museums Frauenkultur Regional-International in Fürth.

Viele Parallelen

Schneider stellte in ihrem aufschlussreichen und informativen Vortrag Großmütter aus verschiedenen Kontinenten vor, die sie in den zurückliegenden fünf Jahren persönlich kennenlernte, um mit ihnen Biografiearbeit zu leisten. Vor diesem Hintergrund zeigte die Referentin unterschiedliche Sichtweisen und Rollenverständnisse von Großmüttern in mehreren Kulturen auf, verwies aber zugleich auf zentrale Gemeinsamkeiten über Kontinente und deren Ethnien hinweg.

Traditions-Vermittler

Das gelte beispielsweise für Großmütter, die in einer einsamen Hochwüste in den USA leben ebenso, wie in einem abgelegenen Bergdorf in Bhutan, einem Slum in der Millionenstadt Nairobi oder dem hochmodernen Stadtstaat Singapore. Überall, auch in Deutschland, seien die Omas eine ökonomische Stütze für die Familie und Trägerinnen von Tradition und Kulturgut.

Als Pfeiler ihrer jeweiligen Gemeinschaft würden Großmütter ihre Rolle als Leitfiguren innerhalb des Familiensystems übernehmen und oftmals als Ersatz für die Eltern in deren Rolle gegenüber den Kindern, beziehungsweise Enkeln schlüpfen. Damit würden sie in der Rolle von Erziehenden zu Vorbildern und Hüterinnen der in einem Kulturkreis vorherrschenden Traditionen gegenüber der jeweils jüngsten Generation. Oftmals selbst ohne Schul- oder höhere Bildung herangewachsen, würden Großmütter sich meist dennoch ungewöhnlich hartnäckig für die Bildung und Ausbildung ihrer Enkel einsetzen und brächten nicht selten dafür auch finanzielle Opfer. Nicht zuletzt deshalb würden Gesellschaften und der konkrete Familienverbund diesen "stillen Heldinnen" eine ausgeprägte Achtung entgegenbringen.
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