Wenn Terror auf Tourismus trifft

Sousse war ein Anschlag auf die westliche Welt und ein Schlag ins Gesicht für viele Urlauber. Nach dem Attentat am Freitag fühlen sich die meisten Menschen verunsichert. Was, wenn man schon gebucht hat? Die Amberger Reisebüros wissen Antwort.

"Ich hab' gerade keine Zeit, irgendetwas zu sagen. " Die Reaktion von Alina Matei (Sonnenklar) auf den Anruf der AZ spricht Bände. Stornierungen, Umbuchungen, Anfragen - es gibt einiges zu tun. Auch Angelika Schnerr von der Firma Linzer ist gestresst. "Mir stehen die Haare zu Berge", klagt sie. Seit Samstag versuche sie, für die Frühbucher Alternativen zu finden. Gäste von Tui könnten bis einschließlich 15. September gebührenfrei umbuchen oder stornieren. Das gilt aber nicht bei allen Veranstaltern. Laut Schnerr stellen Änderungspläne in vielen Fällen ein Problem dar; sie sind teils nur bis Ende Juli möglich. "Es ist alles katastrophal", seufzt die Fachfrau. Zudem sei die Lage manchmal unklar, da das Auswärtige Amt noch keine explizite Ansage gemacht hat, die für die Rechte der Kunden nötig ist.

Auswärtiges Amt langsam

Auf seiner Homepage liest man unverändert seit Freitag: "Da noch keine näheren Informationen zu den Hintergründen und der Zahl der Täter vorliegen, wird insbesondere in dieser Region zu besonders umsichtigem Verhalten und größter Vorsicht geraten." Schnerr selbst hätte ihren Tunesienurlaub nicht abgebrochen. "Es kann überall was passieren", meint sie. Und ein Anschlag an derselben Stelle - das ist Schnerr zufolge eher unwahrscheinlich. Doch voller Verständnis fügt sie hinzu: "Aber die Leute haben schließlich auch Kinder. Es ist klar, dass man dann flüchtet." Jacqueline Eichinger vom Büro Reisefieber sagt, sie hat Tunesien aufgrund geringer Nachfrage ohnehin kaum im Angebot. Viel zu tun habe sie jetzt deshalb nicht. Allgemein steige die Tendenz, Tunesien und umliegendes Gebiet zu meiden. "Keine arabischen Länder", das wünschten die Kunden immer häufiger. Zuletzt hatten die Anschläge vom März auf das Bardo-Museum in Tunis, bei denen mehrere Touristen starben, dazu beigetragen. Da könne auch ein günstiger Preis nicht locken.

"Die Sicherheit ist den Gästen wichtiger", sagt Eichinger. Nur Ägypten laufe noch ganz gut. "Ich rate oft selbst von Tunesien ab", betont sie und schildert ihre Erfahrung, als sie zuletzt dort war. Man müsse mit oft mangelnder Sauberkeit und, vor allem als Frau, "mit der Mentalität klarkommen". Eichinger prognostiziert: "Die Veranstalter werden wieder versuchen, Tunesien zu pushen, in nächster Zeit aber eher nicht." Hannelore Augsberger vom gleichnamigen Büro bestätigt, dass es viele günstige Angebote gibt, dass Anfragen jedoch bereits seit März deutlich nachließen. "Es ist eine riesige Katastrophe für das Land", bedauert sie. Sie bietet Tunesien von sich aus nicht mehr an. "Es ist alles so frisch. Die Kunden würden mich für verrückt halten." Augsberger lobt die Kulanz von Tui. Der Veranstalter hat als Einziger kostenlose Umbuchungen und Stornierungen für die ganze Saison eingerichtet.

Hat Tunesien nicht verdient

Das findet auch Tanja Scholzen vom Büro Dronzella gut, betont jedoch, dass die Motivation wohl daher rührt, dass der Anschlag in einem Tui-Hotel war. Sie hofft nun, dass andere Veranstalter mit einer Fristverlängerung nachziehen. Scholzen kritisiert, dass es manchen Organisatoren an Flexibilität fehlt. Teils würden Stornierungskosten von 50 Prozent verlangt. Umbuchen könne man nun auf die Türkei und Bulgarien. "Wir haben uns so gefreut für das Land, weil es dieses Jahr gut lief", bedauert Scholzen. "Und jetzt dieser Einbruch. Das haben sie nicht verdient."
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