Wenn Vatikan zum Berg kommt

Hauruck, hoch mit den Balken fürs nächste Festzelt. Zug um Zug verwandelt sich der Parkplatz vor der Bergkirche seit Montag in den Festplatz. Auch Hunderte von Biertischen und Bänken sind schon aufgeklappt worden, damit Tausende kommen und gemütlich sitzen können. Denn im Schatten von Kirche und Bäumen lässt sich recht idyllisch feiern, auch wenn es hier gerade am Abend meistens proppevoll wird. Bild: Huber

In der Bergkirche herrscht noch himmlische Ruhe. Draußen nicht mehr. Auf dem Festplatz tummeln sich seit Montag die Händler und Brauereien und schlagen ihre Zelte auf. Damit es am Samstag, 27. Juni, losgehen kann: das Bergfest, das wieder Zehntausende Besucher nach Amberg locken wird.

Auf einen Gast ist Pater Janusz Wrobel, der Leiter des Franziskanerklosters, schon jetzt besonders stolz. Er kommt aus dem Vatikan und ist der höchste Vertreter des Kirchenstaats in Deutschland. Die Rede ist vom Apostolischen Nuntius, Erzbischof Dr. Nikola Eterovic. Er wird der offiziellen Eröffnungsfeier am Samstag um 19 Uhr am Freialtar beiwohnen.

Das hat Pater Janusz selbst erst gestern erfahren und ist von dieser "hohen Ehre" überrascht. Wiewohl sie einen praktischen Hintergrund hat: Eterovic ist am Wochenende Gast im Bistum Regensburg. Und wie Pater Janusz vermutet, sollten ihm bei seinem Aufenthalt wohl auch Besonderheiten der Diözese gezeigt werden. Dazu gehört zweifelsohne das Amberger Bergfest als größte Marienwallfahrtsfeier der Region. Der Guardian und die Kirchenstiftung Mariahilfberg als Hauptveranstalter der neun geistlichen wie weltlichen Tage freuen sich auf jeden Fall auf den Nuntius, den Weihbischof Reinhard Pappenberger beim Auftaktgottesdienst begleiten wird.

In Rom eh bestens bekannt

Ob Amberg dadurch im Vatikan "eine Stufe höherrutscht, weiß ich nicht", lacht Pater Janusz und hofft, dass der Berg wenigstens "nicht ausrutscht". Spaß beiseite: Der Guardian glaubt, dass der Mariahilfberg dem dritthöchsten Vertreter im Vatikan, Kardinal Gerhard Ludwig Müller, aus dessen Zeit als Regensburger Diözesanbischof eh bestens bekannt ist.

Apropos ausrutschen: Das passiert vielen Menschen. Nicht das buchstäbliche Hinfallen ist gemeint, sondern das Ausrutschen im Sinne von Fehlern und Sünden. Sie zu erkennen und zu bereuen, dazu will heuer das geistliche Motto der Festwoche ermuntern, die wieder bis einschließlich Sonntag, 5. Juli, dauert. Es befasst sich unter dem Titel "Aussprechen, lossprechen" mit dem Thema Beichte.

Auch auf dem Mariahilfberg haben die Franziskaner nach eigener Auskunft festgestellt, dass offenbar immer mehr Menschen mit diesem Sakrament immer weniger anfangen können. Nicht nur, dass die Zahl der Gläubigen im Beichtstuhl abnimmt, auch die Kenntnis, wie man beichtet und welche Bedeutung die Buße hat, entwickelt sich zurück. Gerade auch bei jüngeren Leuten ist das nach Beobachtung der Patres der Fall. Sie wollen Sinn und Ablauf des Bußsakraments neu ins Bewusstsein rücken und haben deshalb auch die Festpredigten, die sich vor allem dem geistlichen Motto widmen, darauf ausgerichtet.

Gegenfurtner und Prälat

Genauer gesagt sind es Domkapitular Prälat Peter Hubbauer und Dompropst Dr. Wilhelm Gegenfurtner, die sich mit dieser Aufgabe befassen. Beide teilen sich sozusagen die abendlichen Predigten am Freialtar: Hubbauer spricht in der ersten Wochenhälfte am kommenden Sonntag, Montag und Dienstag jeweils um 19.30 Uhr; Gegenfurtner bestreitet die Predigten in der zweiten Hälfte am Donnerstag, Freitag und Samstag, 2. bis 4. Juli, immer zur selben Uhrzeit ebenfalls am Freialtar. Am Mittwoch dazwischen, 1. Juli, ist wie gewohnt Jugendandacht mit einer "eigenen" Predigt, diesmal von BDKJ-Pfarrer Michael Hirmer.
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