Wer Geld leiht und es später zurückzahlt, ist kein Betrüger - Verfahren gegen 37-Jährigen ...
Mit reiner Weste heim nach Reinheim

Der Mann kam aus Reinheim. Und er fuhr, weil sich seine Betrugsanklage gleichsam wie in Luft auflöste, mit reiner Weste heim. Verfahren eingestellt, keine Strafe. Allerdings blieb schon der Beigeschmack zurück, dass da jemand nur unter Druck seine über längere Zeit hinweg gemachten Schulden zahlte.

Bekanntschaft via Internet. Heutzutage oft der Fall, mitunter auch ehestiftend. Eine junge Frau aus Amberg und der 37-Jährige aus Reinheim lernten sich über den Computer kennen und trafen sich nicht lange darauf in Franken. Für sie war es wohl Liebe auf den ersten Blick, bei ihm schien eher das finanzielle Interesse im Vordergrund zu stehen. Ein Winterurlaub wurde vereinbart. Wo sollte es hingehen? Die 25-Jährige wusste es zwar nicht, aber sie erzählte, dass ihr neuer Freund gleich mal 700 Euro als Kostenbeteiligung anforderte. Sie zahlte und war dann schwer enttäuscht, als plötzlich der Anruf kam: "Mein Onkel ist gestorben." Also keine gemeinsamen Ferientage. Auch kein Geld zurück.

Guten Glaubens gezahlt

Was folgte, erinnerte an das sprichwörtliche Ausnehmen einer Weihnachtsgans. Immer wieder wandte sich der 37-Jährige mit der Bitte um finanzielle Unterstützung an seine Freundin in Amberg. Sie überwies guten Glaubens höhere Beträge. Mal 500 Euro für ein Auto, dann 500 Euro für ein Motorrad. Bisweilen kam der Mann auch selbst nach Amberg, beklagte harte Schicksalsschläge, erbat Unterstützung. Einmal, erinnerte sich die 25-Jährige, sei er auch dagewesen, um eine Beteiligung an illegalen Waffengeschäften zu schildern. Nur mit Bargeld habe er sich da herauskaufen können. Sie gab es ihm.

So kamen weit über 4000 Euro zusammen. Längst hatte die Frau Betrugsabsicht gewittert und sich im Internet erkundigt, ob es noch andere Damen gebe, die ihr Schicksal teilten. Als sie das Richterin Jacqueline Sachse erzählte, schwieg der Angeklagte und ließ seinen Anwalt reden. Der hakte nach und erfuhr: "Der hatte doch immer Ausreden."

Plötzlich aber bekam dieser Prozess eine Wendung. "Ist es richtig, dass Ihnen mein Mandant über 4000 Euro überwiesen hat?", fragte der Verteidiger. Die 25-Jährige bejahte. Sie hatte ihrer Internet-Bekanntschaft irgendwann eine Art Ultimatum gestellt und erhielt daraufhin das ihr zustehende Geld. Weshalb also das ganze Aufhebens? Man müsse nachdenken, befand die Richterin und ordnete eine Pause an. Danach war die Verhandlung rasch beendet.

Bereits auf dem Konto

Das Verfahren wurde eingestellt. Denn zum Betrug gehört, dass jemand illegal etwas auf seine Seite gebracht hat. Das konnte in diesem Fall ausgeschlossen werden. Rückzahlung ist Rückzahlung. Auch wenn sie unter Druck erfolgte. Jedoch war sie bereits auf dem Konto, als die angeblich Betrogene zur Polizei ging und die Vorfälle meldete. So kam die Maschinerie der Ermittler ins Rollen.
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