Wer hilft den Flüchtlingen?

Über Salim Aboharashs (rechts) Schicksal in Syrien und seine lange, teils lebensgefährliche Flucht nach Deutschland hat die AZ am Dienstag ausführlich berichtet. So wie ihm ging es aber auch seinen Freunden und vielen Menschen aus dem Bürgerkriegsland, das zusätzlich von der Terrormiliz Islamischer Staat gequält wird. Diese fünf haben vorerst in der Notunterkunft in der Barbaraschule Zuflucht gefunden. Bild: Hartl
Lokales
Amberg in der Oberpfalz
22.08.2015
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Am Ende sprach ein Teilnehmer lachend vom "Mutter-Teresa-Syndrom": Eine "Krankheit", die in diesem Kreis jeder hat, weil er helfen will - den Asylbewerbern in Amberg, vor allem den rund 80 Neuankömmlingen in der Notunterkunft in den Turnhallen von Barbara- und Willmannschule.

Es ist eine Runde von rund 20 Leuten, die sich seit kurzem jeden Mittwoch um 19 Uhr im Caritas-Sozialzentrum an der Dreifaltigkeitsstraße 3 trifft. Sie ist jederzeit offen für alle, die sich in der Flüchtlingshilfe in Amberg ehrenamtlich engagieren wollen. Tatsächlich hoffen Anita Kinscher und Sina Bender, die sich derzeit unter dem Dach der Caritas und ihrer Flüchtlingsberaterin Anne Kuchler den Hut aufgesetzt haben, auf weitere Unterstützung.

Beim jüngsten Treffen wurde konkret umrissen, wo am dringendsten Hilfe nötig ist, die sich nicht nur auf Barbara- und Willmannschule beschränken muss, sondern auch die Menschen aus der dezentralen Unterbringung und der Gemeinschaftsunterkunft an der Kümmersbrucker Straße einschließt.

Deutsch-Kurse

Derzeit ist in der Notunterkunft an der Raiffeisenstraße ein Lehrer aktiv, der regelmäßig Deutschunterricht für die verschiedenen hier untergebrachten Nationen gibt (vor allem Syrer und Iraker, aber auch Staatenlose aus beiden Ländern sowie Albaner und Ukrainer). Solche Leute - nicht ausschließlich ausgebildete Pädagogen -, die mit Freude Deutschkenntnisse vermitteln, bräuchte es laut Arbeitskreis mehr.

Anne Kuchler meint, dass es gar nicht genug davon geben könne, denn bei entsprechend großer Resonanz würden die Unterrichtseinheiten intensiviert und die jeweiligen Gruppen für besseren Lerneffekt kleiner strukturiert werden. "Überzählige" Interessenten könnten sich außerdem in der Integrationshilfe engagieren, Flüchtlinge zum Beispiel bei Ämter- oder Arztgängen begleiten. Wer mitmachen will, soll am Dienstag, 15. September, um 17 Uhr zu einem eigenen Treffen fürs Thema Deutsch-Kurse und Integrationshilfe ins Caritas-Sozialzentrum kommen.

Räume für Unterricht gesucht

Um die Asylbewerber im Sprachunterricht schulen zu können, sucht der Arbeitskreis geeignete Räume - im Prinzip in verschiedenen Teilen des Stadtgebiets, um auch die hier dezentral wohnenden Flüchtlinge mit fußläufig kürzeren Wegen einbinden zu können. Ein Hauptstandort sollte allerdings in der Nähe von Barbara- und Willmannschule sowie Gemeinschaftsunterkunft Kümmersbrucker Straße liegen, weil sich hier das Gros der "Schüler" ballt.

Infrage kommen nach dem Wunsch der Helferrunde auch Räume von Pfarreien, Firmen oder Vereinen, die hauptsächlich am Vormittag benötigt würden (um mit den teils festen Terminen dort wie Gruppentreffen oder Trainingszeiten, die in der Regel nachmittags und abends sind, nicht zu kollidieren). Kontakt: anne.kuchler@caritas-amberg.de

Freizeitaktivitäten

Hier denkt der Helferkreis nicht nur an Bürger, die Asylbewerber mal zum Minigolf oder anderen, eher sporadischen Aktivitäten mitnehmen, sondern an ein häufiges/regelmäßiges Angebot, das durchaus in den Unterkünften stattfinden kann. Dort herrsche nämlich oft ohne Beschäftigung Langeweile, unter der vor allem die Kinder litten. Gut wäre es, mit den Menschen Spiel- oder Bastelaktionen zu machen, die sie später auch ohne Anleitung selber weiterführen können. In der Notunterkunft sind zum Beispiel etliche modernere Brettspiele vorhanden, deren Regeln jemand erklären müsste, damit sie überhaupt benutzt werden können.

Wer Kinder und Jugendliche anleiten oder auch regelmäßiger betreuen möchte, muss allerdings ein Führungszeugnis vorlegen können, wie das bei Vereinen in der Nachwuchsarbeit ebenfalls Pflicht ist. Interessenten melden sich per Mail bei anne.kinscher@gmx.de

Kleider- und Sachspenden

Nachdem Bürger in den vergangenen Tagen Kleiderspenden oft direkt zur Notunterkunft gebracht haben, weist der Arbeitskreis darauf hin, dass dies nicht mehr möglich ist. Bekleidung muss beim BRK-Kreisverband am Amselweg angeliefert werden, wo sie vorsortiert, auf Wunsch aber auch bestimmten Unterkünften zugeteilt wird. Nach wie vor wird vor allem Männerkleidung in kleineren Größen (S und M) benötigt.

Gesucht werden aber auch funktionsfähige, kleine Haushaltsgeräte sowie Fahrräder, Dreiräder und Bobbycars. Diese Dinge können bei Anne Kuchler im Caritas-Sozialzentrum zu den Öffnungszeiten abgegeben werden (anne.kuchler@caritas-amberg.de).
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