Wie eine Tafel der Bürgerskulptur das Verhältnis der Religionen thematisiert
"Aufschrei nach Toleranz!"

Als Aufruf zur Versöhnung der drei monotheistischen Weltreligionen versteht sich die vom Aschacher Franz Wieder gestaltete Platte der Bürgerskulptur mit der Kennung B I 11 3. Mehr zur Bedeutung der einzelnen Jahreszahlen unter www.buergerskulptur.de/node/135 (dort nach Franz Wieder suchen). Bild: Huber
Kopftuch-Urteil, Pegida-Demonstrationen, Charlie-Hebdo-Attentat - den Deutschen ist in den letzten Monaten nachdrücklich bewusst geworden, welche Rolle der Islam und die Auseinandersetzung mit ihm in der modernen Gesellschaft spielen. In Amberg ist die Bedeutung dieses Themas aber schon vor längerer Zeit erkannt worden. Der Beweis dafür findet sich auf der Bürgerskulptur am Multifunktionsplatz.

Unter der Dornenkrone

"Aufschrei nach Toleranz!" hat der Aschacher Franz Wieder seine Platte genannt, die sich mit dem Verhältnis der drei Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum auseinandersetzt. Wieder, Bauingenieur im Ruhestand und einst als harscher Kritiker der Etsdorfer Glyptothek an die Öffentlichkeit getreten, sieht zwischen diesen drei monotheistischen Religionen bisher eher Intoleranz am Werk - mit zum Teil grausamen Folgen. Dafür steht in seiner Gestaltung der Tafel die Dornenkrone, die das (mehr wie ein Schwert geformte) Kreuz, den Davidstern und den Halbmond umfasst.

"Die kaltblütige Brutalität wird sich erst vermeiden lassen, wenn eine gegenseitige Achtung in Ausübung von Toleranz gegenüber den jeweils anderen Religionen die Menschen erfasst", schreibt Wieder in seinem Text. Das müsse über die Erziehung der jungen Generationen geschehen.

Die Jahreszahlen, die Wieder unten auf der Platte eingeritzt hat, stehen für Zeitabschnitte, in denen "sich Menschen teilweise und auch in größerem Umfang geradezu bestialisch verhalten haben". Zum Beispiel: 711 - Eindringen der Mauren in Spanien; 1096 - 1. Kreuzzug mit Gemetzeln der Christen an Muslimen und Juden; 1415 - der tschechische Reformator Jan Hus wird als Ketzer auf dem Scheiterhaufen verbrannt; 1938 - Reichspogromnacht, der Holocaust nimmt seinen sichtbaren Anfang.

Wieder glaubt aber, dass die drei genannten Religionen durchaus in der Lage sind, Regelungen zu finden, mit denen sie auf der Basis der Toleranz friedlich zusammenleben können. Dafür steht bei ihm die strahlende Sonne im Zentrum des Bildes.
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