"Wie kommen die dazu?"

Im Eschenbacher Ämtergebäude, das ehemalige Landratsamt, stellen sich die Mitarbeiter der Wohnbau-GmbH die Frage: Wie kommt Amberg-Sulzbachs Kreisausschuss dazu, eine Schieflage herbeizureden? Bild: do

In Amberg diskutiert der Kreisausschuss über die gemeinnützige Wohnungsbau-GmbH des Landkreises Neustadt in Eschenbach. Fakten scheinen dabei keine Rolle zu spielen.

(wüw) Der Schockanruf erreichte Reiner Hoffmann am Mittwoch kurz vor Mittag: Vom "Neuen Tag" musste der Geschäftsführer der gemeinnützigen Wohnungsbau-GmbH des Landkreises Neustadt von der angeblichen Schieflage seines Unternehmens erfahren, über die der Amberg-Sulzbacher Kreisausschuss diskutierte. Hoffmann war bestürzt - nicht wegen der Finanzen, wegen der Gerüchte im Nachbarlandkreis, die haltlos seien: "Wie kommen die dazu?"

Ganz klar ist das nicht, fest steht lediglich, dass der grüne Kreisrat Karl-Heinz Herbst eben diese finanzielle Schieflage ansprach, wegen der die Anteilseigner Geld nachschießen sollen. Er wollte von Landrat und Kreiskämmerer wissen, wie sich der Landkreis als Anteilseigner verhalten wolle. Zwar beschwichtigten Kreiskämmerer Anton Weber und Landrat Richard Reisinger. Allerdings stellte der Kämmerer einen möglichen Rückzug aus der GmbH in Aussicht und der Landrat sagte lediglich, dass es wohl nicht "um riesige Geldbeträge" gehe.

Tatsächlich gehe es um gar kein Geld, sagt ein merklich überraschter Geschäftsführer Hoffmann: "Es gab nie eine Nachzahlung und es ist auch keine geplant." Von einer Schieflage könne keine Rede sein, das kommunale Unternehmen stehe sehr gut, trage sich selbst. Unerklärlich ist Hoffmann, wieso sich Kämmerer und Landrat überhaupt zur GmbH äußern, an der sie nie Interesse gezeigt hätten. "Wir laden das Landratsamt Amberg regelmäßig zu Aufsichtsratssitzungen ein, bisher kamen nur Absagen." Lediglich Auerbachs Bürgermeister Norbert Gradl besuche die Sitzungen und wüsste deshalb um die stabile Lage, war aber offensichtlich nicht befragt worden. Für Hoffmann besteht Gesprächsbedarf. "Ich rufe sofort in Amberg an, ich glaube, die schulden mir eine Erklärung."

Unterstützung erhält Hoffmann vom Neustädter Landratsamt. Auch dort ist von einer Schieflage nichts bekannt, bestätigt Sprecherin Claudia Prößl Hoffmanns Aussagen. Die GmbH trage sich seit der Gründung in den 1960er Jahren selbst. Auf diese Gründerzeit geht auch die Beziehung zum Landkreis Amberg-Sulzbach zurück. Die Stadt Auerbach war damals Teil des Altlandkreises Eschenbach, auf den die Gesellschaft zurückgeht. Über die Stadt kommt der Landkreis Amberg-Sulzbach an die 15 Prozent Anteil, damals entsprach dies einer Summe von 20 000 Mark. Der Landkreis Neustadt/WN hält als größter Anteilseigner 43 Prozent, der Rest verteilt sich auf die Kommunen im Vierstädtedreieck und einige Private.
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