Wie viel Regel darf es sein?

Amberg ist die Stadt, in der die Region einkauft. Es stellt sich aber die Frage, ob die Menschen in die Innenstadt kommen, um ihren Bedarf zu decken oder ob sie das auf der sogenannten Grünen Wiese tun. Und schon ist der Bauausschuss inmitten einer munteren Diskussion.

Der hatte es am Mittwoch in seiner Sitzung ganz praktisch mit dem Gewerbegebiet Ost II zu tun, das landläufig als der Bereich der Franzosenäcker bekannt ist - inzwischen gut bebaut mit diversen größeren und kleineren Märkten und Geschäften. Hinzu kommt nun ein Tedox-Markt, ein Baumarkt-Discounter, der sich direkt an der Leopoldstraße ansiedeln wird. Kurz vor dem Kreisverkehr, direkt neben dem schon vorhandenen Aldi-Markt.

Auf 3146 Quadratmetern und mit 99 Stellplätzen für Autos will die Kette mit Sitz im Landkreis Göttingen nach Schwandorf in unserer Region die nächste Filiale eröffnen. Ein Vorhaben, gegen das die Stadt keine Einwände hat, solange beispielsweise kein innenstadtrelevantes Sortiment dort verkauft wird, wie es in der "Amberger Liste" definiert worden ist.

Blick in die Zukunft

Um die ging es dann im nächsten Tagesordnungspunkt, der eine langwierige Diskussion vom Zaun brach. In dem stellte Dr. Stefan Leuninger von der Gesellschaft für Markt- und Absatzforschung aus München die Standortentwicklungsperspektiven des Gewerbegebietes vor. Kurz: Es ging darum, wie sich der Standort Franzosenäcker weiterentwickeln soll. Und das vor dem Hintergrund, dass der Handel stagniert - die Menschen in der Region also nicht mehr kaufen, wenn es mehr Verkaufsfläche in der Stadt gibt.

Aus diesem Grunde existiert das Einzelhandelskonzept, das grob reguliert, was wo angeboten werden darf. Dafür hat der Stadtrat eine Liste von Produkten aufgestellt, die innenstadtrelevant sind, die also möglichst auch nur im Zentrum verkauft werden sollen. Für Bernhard Schöppl (CSU) eine reine Augenwischerei. "Das ist für mich nur der Schutz für die Großen", lautete seine Meinung. Semmeln bekomme man heutzutage nicht mehr nur beim Bäcker, sondern auch im Baumarkt.

Auf der anderen Seite würden die inhabergeführten Geschäfte in der Stadt aussterben. "Die Großen verkaufen, was sie wollen", stellte er im Hinblick auf die Sonderaktion diverser Discounter fest, die in regelmäßigen Abständen innenstadtrelevantes Sortiment in ihren Märkten anbieten. "Umgekehrt geht das aber nicht." Sein Schluss darauf: Das Einzelhandelskonzept gehört weg, soll doch jeder tun und lassen, was er will.

So negativ wollten es die anderen Stadträte aber nicht sehen. Sie erkennen in dem Konzept durchaus ein Steuerungselement, um die Innenstadt bis zu einem gewissen Grad zu schützen. Dazu gehört laut Stefan Leuninger aber auch eine Vorstellung davon, wie ein solches Stadtzentrum künftig überhaupt aussehen soll. "Wir müssen das Ganze überhaupt von der Innenstadt her denken", forderte Baureferent Markus Kühne. Die Menschen würden nach Amberg kommen, um etwas zu kaufen. Bekämen sie das alles draußen vor den Toren der Stadt, gebe es aber überhaupt keine Veranlassung mehr, die Innenstadt zu besuchen. "Ich komme doch nicht rein, wenn nichts mehr da ist", brachte er seine Sicht der Dinge auf den Punkt.

Von innen nach außen

Und er wies auf die Grundaussage des Gutachters hin: "Wir brauchen die großen Handelsflächen nicht. Dann alles, was ich nach außen verlege, das ziehe ich innen ab." Auch OB Michael Cerny sprach sich pro Konzept aus: "Die Innenstadt kannst du nur schützen, wenn du aktiv bist", so seine Auffassung.

Blieb zum Schluss die Frage, was mit den Flächen geschehen soll, die im unteren Bereich der Franzosenäcker bei der Firma Autec frei sind. Doch darüber wollte der Ausschuss noch nicht entscheiden, hier läuft bereits das Aufstellungsverfahren für den Bebauungsplan. (Angemerkt)
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