"Wir gratulieren neidlos"

Diese beiden Damen erwiesen sich als sehr gut informiert über die Online-Abstimmung. Renate Hager und Inge Schramm (von links) finden Amberg schön, weil die Stadt überschaubar ist. Bild: Huber

443 Kilometer von hier gen Norden lachen sie im Vorzimmer des Bürgermeisters, wenn man sich mit "Amberger Zeitung" meldet. Tangermünde heißt der Ort, der beinahe lebens- und liebenswerteste Stadt Deutschlands geworden wäre. Beinahe. Aber der Sieg geht nach Amberg. Ein Ort, den Dr. Rudolf Opitz erst mal googeln musste.

Doch der Bürgermeister ist ein fairer Verlierer. "Wir gratulieren neidlos", sagt das Stadtoberhaupt der 10 500 Einwohner großen Ortschaft im Landkreis Stendal in Sachsen-Anhalt. Zugegeben, auch an der Vils war Tangermünde bisher nicht in aller Munde. Bis jetzt.

In einem harten Kopf-an-Kopf-Rennen und am Ende mit nur drei Stimmen mehr, gewann Amberg die Abstimmung auf Hotel.de zur lebens- und liebenswertesten Stadt Deutschlands. 39 Klein- und Mittelstädte hatten sich vier Wochen dem Wettbewerb gestellt. 120 000 Menschen gaben ihren Klick ab. Genau 31 925 votierten für Amberg. Damit hatten die Oberpfälzer um drei Stimmen die Nase vorn. "Das war ja richtig spannend", kommentierte Opitz die Wahl.

Ambergs Oberbürgermeister Michael Cerny hatte bereits im Vorfeld Werbung aus Überzeugung gemacht. "Für uns war das Voting ein wunderbares Mittel, um uns selbst wieder der Schönheit und Stärken unserer Region bewusst zu werden. Gleichzeitig haben viele Bürger sehen können, über welch schöne Städte wir in ganz Deutschland verfügen", sagte der OB.

Im Büro der Tourist-Info ist die Freude zwar groß, aber der Jubel verhalten. "Das ist natürlich positiv", sagte Leiterin Martina Meixner, "wir freuen uns". Allerdings, so schränkte die Expertin ein, "würden wir uns noch mehr freuen, wenn jetzt ganz viele nach Amberg kommen und hier übernachten würden".

Das ist auch eines der Ziele von Hotel.de. Pressesprecherin Nicoletta Erlemann verheimlichte nicht die Werbezwecke dieser Aktion: "Letztendlich geht es natürlich auch um die Erhöhung des Bekanntheitsgrades." Allerdings profitiere ihrer Meinung nach nicht nur das Online-Portal, sondern auch die Stadt selbst. "Wir wollen die Klein- und Mittelstädte aus ihrem Dunkelbereich holen", sagte Erlemann. Schließlich ziele Hotel.de nicht nur auf Spaß-, sondern auch auf Geschäftsreisende ab. Ein Kriterium für die Aufnahme in die Liste der zur Abstimmung gestellten Städte war beispielsweise, dass die dort ansässigen Unternehmen eine gewisse Umsatzrelevanz haben. Daneben sei auch ein historischer Stadtkern von Bedeutung. Amberg hat all das. Im vergangenen Jahr trug übrigens Rothenburg ob der Tauber den Sieg davon. Diesen Ort kannte Dr. Rudolf Opitz, Bürgermeister von Tangermünde, wiederum, weil er dort schon mal übernachtet hatte. Immerhin: Auch wenn vom Online-Portal Hotel.de nach Auskunft von Erlemann noch ein "Award" zum Anfassen, Urkunde und Aufkleber ins Amberger Rathaus geschickt werden, eines wäre ohne diese Werbe-Masche nie zustande gekommen: das Gespräch mit einem Stadtchef im Norden von Sachsen-Anhalt. (Glosse)
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