Wir sagen Danke!

Bild: Petra Hartl
   
Omar Hamdi. Bild: hfz
Die Amberger packen an. Dutzender Ehrenamtliche stehen parat, um den ankommenden Flüchtlingen Orientierung in einer fremden Welt zu geben. Vielen Asylsuchenden ist es ein Bedürfnis, ihren Dank auszudrücken, für all die Hilfe, die ihnen zuteil geworden ist. Die AZ hat mit einigen gesprochen.



Mit den Ringern zusammengerauft

"Mein Leben in Deutschland war in den vergangenen Jahren nicht einfach. Trotzdem möchte ich mich bei den vielen freundlichen Menschen hier in Amberg bedanken." Als 16-Jähriger war Mohammad Amir Ezat Mir vor fünf Jahren in Afghanistan aufgebrochen, um Gewalt und Terror hinter sich zu lassen. In seinem Dorf hatten die Taliban die Regierungskräfte vertrieben. Sie rekrutierten Ezats Bruder und auch seinen Vater als Glaubenskrieger. Beide fielen in kürzester Zeit bei Kampfeinsätzen. Als auch Ezat kämpfen sollte, floh er. Die Taliban verurteilten ihn dafür in Abwesenheit zum Tod.

Über den Irak und die Türkei gelangte der junge Mann schließlich nach Deutschland. Nunmehr wartet er seit fünf Jahren auf eine Zukunftsperspektive. Seine Asylanträge wurden abgelehnt, er ist bisher nur geduldet und lebt seitdem im Asylheim, hat keine Arbeitsgenehmigung und darf aus der Unterkunft in der Kümmersbrucker Straße nicht ausziehen. Zurzeit besucht er einen Kurs bei der Berufsfachschule für Altenpflege in Sulzbach-Rosenberg, begleitend dazu absolviert er ein Praktikum im Wallmenich-Haus in Amberg. "Ich kann mir auch eine Berufsausbildung im Handwerk vorstellen", sagt er.

Ezat bedankt sich vor allem bei Werner Konheiser und seinem Verein "Amberg hilft Menschen", beim Ringerclub Bergsteig sowie den Fußballern von der DJK. "Ich bin bei denen sehr freundschaftlich aufgenommen worden." Jetzt hoffe er, dass er bald eine Arbeitsgenehmigung erhält und aus dem Asylheim in der Kümmersbrucker Straße ausziehen darf. "Ich habe in Afghanistan meine ganze Familie verloren. Meine Zukunft liegt in Deutschland", betont der 21-Jährige. "Hier fühle ich mich sicher, deshalb ist es mein größter Wunsch, mir hier eine Existenz aufzubauen."

Glücklicher Mieter

Omar Hamdi flüchtete zusammen mit seinen Eltern und vier Geschwistern vor zwei Jahren aus Syrien. Erste Anlaufstelle war kurdisches Gebiet im Irak. Er fand Arbeit in einem Einkaufscenter als Büroangestellter. Als der Islamische Staat die Kurden immer mehr terrorisierte, entschloss er sich, nach Deutschland zu fliehen. Im Mai reiste er über Passau ein. Seine Eltern und Geschwister wagten das nicht, sie sind nach wie vor im Krisengebiet. Omar besucht ab November einen Integrationskurs in Sulzbach-Rosenberg. "Ich bin glücklich und dankbar, hier zu sein", sagt er. "Ich hatte ich das Glück, auf so viele nette und hilfsbereite Menschen zu treffen." Besonders gute Erfahrungen hat der 24-Jährige mit seiner Vermieterin gemacht. "Sie ist eine feine Frau, sie hilft mir, wo es nur geht." Omars Ziel ist es, so schnell wie möglich deutsch zu lernen. Nach dem Integrationskurs möchte er eine Ausbildung im Marketingbereich machen, um dann einmal im Verkauf oder als Büroangestellter arbeiten zu können.

Bergfreund

Durch den Krieg in Syrien gab es für Salim Aboharash keine Zukunftsperspektiven mehr. Er verlor seinen Arbeitsplatz, seine Wohnung und noch viel schlimmer: viele ihm nahe stehende Menschen. Der 27-Jährige flüchtete zu Fuß nur mit dem, was er am Leib trug. Im August wurde er der Notunterkunft in Amberg zugeteilt. Salim - Friseur von Beruf - empfindet die Hilfsbereitschaft der ehrenamtlichen Mitarbeiter der Notunterkunft als sehr wertvoll. "Auch in stressigen Zeiten verbreiten sie Zuversicht und bleiben gelassen", sagt er. Mit ihnen besichtigte er auch die Mariahilfbergkirche. Er war zuvor noch niemals in einem christlichem Gotteshaus gewesen und sehr beeindruckt. Ein Sicherheitsbeamter der Notunterkunft ist ihm ein wichtiger Freund geworden und auch der ehrenamtliche Deutschlehrer von dort kommt immer noch vorbei, um Kontakt zu halten. "Die Hilfe der Amberger werde ich nie vergessen." Salim sagt, es sei ihm bewusst, wie schwierig es ist, Flüchtlinge unterzubringen und welche Arbeit damit auf Deutschland zukommt.

Der Gesellschaft etwas zurückgeben

Er ist geflohen, nachdem der Islamische Staat in seine Stadt gekommen ist. In der Heimat von Ahmad Adris Mohamad (22) ist alles zerstört. Sein Elternhaus, die Firma seines Vaters gibt es nicht mehr. Ahmad hat sein Auto verkauft und ist mit dem Lastwagen nach Deutschland gekommen. Nicht auf dem Beifahrersitz - er harrte zwei Wochen lang auf der Ladefläche aus. Seine Familie ist in Nachbarländer geflohen. Der 22-jährige Iraker ist erst seit sieben Monaten in Amberg, kann sich aber bereits gut auf deutsch verständigen. "Ich möchte Elektrotechnik studieren. Das habe ich bereits angefangen", sagt er.

Ahmad bedankt sich vor allem bei der Amberger Caritas. "Hier sind Leute, die mir bei den Anträgen helfen und die auch einfach nur mal zuhören." Derzeit beteiligt er sich an einem Theaterprojekt. Einmal pro Woche probt er zusammen mit anderen Flüchtlingen im Stadttheater. Außerdem spielt er Fußball beim FC Großalbershof. Mit seinen Sportsfreunden weggehen, Spaß haben, das, so sagt er, helfe ihm sehr beim einleben. "Ich möchte Danke sagen an Deutschland, an all die Menschen die mir hier geholfen haben." Er wisse, das das nicht selbstverständlich sei und werde alles dafür tun, der Gesellschaft die Kraft und Energie, die ihn ihn gesteckt wurde, wieder zurückzugeben. "Trotz allem vermisse ich meine Familie sehr."

Familienglück beim Handballtraining

Bomben, Flucht, Schlauchboot im Mittelmeer: Sie sind eine dieser Familien, deren Geschichten um die Welt gingen. Hiven (34 Jahre) und Abdulrahman(35)Kindi flohen im Sommer diesen Jahres mit ihren zwei Töchtern (5 und 8 Jahre alt) aus Aleppo nach Deutschland. In Syrien arbeitete Hiven als Krankenschwester und Abdulrahman als Schneider. Ihr Haus war zerbombt worden, auch die zweite notdürftige Unterkunft bei Verwandten lag nach kurzer Zeit in Trümmern.

Die Flucht zog sich über mehrere Wochen hin, überwiegend zu Fuß. Um von der Türkei nach Griechenland zu gelangen, setzte sich die Familie in ein Schlauchboot. Ein Horrortrip, denn mitten im Meer ging der Motor kaputt. Ein Schiff, das in der Nähe war, brachte die Passagiere sicher an Land. Von dort ging es weiter mit wochenlangen Fußmärschen. Schließlich kam die Familie im August nach Amberg und wurde in der Notunterkunft der Barbaraschule untergebracht.

"Wir sind sehr dankbar und froh über die Hilfen und Zuwendungen, die uns hier zuteil werden", lassen die Kindis übersetzen. Sie hätten mittlerweile Freundschaften mit ehrenamtlichen Helfern und dem Sicherheitspersonal geschlossen. Die Töchter nehmen seit kurzem am wöchentlichen Training des Handballvereins teil. Die Mitglieder organisieren Fahrdienste, da die Familie nicht mobil ist. "Der Sport ist für uns eine große Hilfe", sagt Vater Abdulrahman. "Das bringt Ablenkung und ein Stück gelebte Normalität." Für die Zukunft wünschen sich die Eltern, dass sie und ihre Kinder, nach und nach in Deutschland integriert werden. "Wir wissen, wie wichtig die Sprache ist und brennen darauf, bald an Deutschkursen teilzunehmen."

In der Notunterkunft fanden sie mehrere aufopferungsvolle Helfer. Zum Beispiel einen Lehrer, der seine Ferien damit verbrachte, den Flüchtlingen unentgeltlich die Grundregeln der deutschen Sprache und einige Gepflogenheiten näherzubringen. "Die Kinder sollen bald zur Schule gehen und wir hoffen, eine Arbeit zu finden, damit wir unser Leben selbstständig und unabhängig gestalten können." Vor allem ist der Familie wichtig, endlich in Sicherheit und nicht länger der ständigen Bedrohung des Krieges ausgesetzt zu sein.

Hunger nach Arbeit

Die junge Familie aus Syrien hofft, das Schlimmste hinter sich zu haben: Über die Balkanroute kam Riman Sabbach (29) mit ihrem Mann Tarek, dem fünfjährigen Sohn Mohamed und der erst ein Jahr alten Tochter Siham nach Deutschland. Seit 9. Oktober ist die Familie in der Notunterkunft an der Barbaraschule untergebracht. "Wir stammen aus Aleppo", erzählt die 29-Jährige. "Weil der Krieg immer näher gerückt ist, haben wir uns entschlossen, alles hinter uns zu lassen." In Amberg hat die Familie nach langer Zeit zum ersten Mal wieder zur Ruhe gefunden. "Wir sind gesund und wir sind in Sicherheit. Das ist das wichtigste", sagt die Mutter.

Bei den Ambergern möchte sie sich bedanken. "Wir sind hier so freundlich aufgenommen worden. Das ist wirklich wunderbar." Sie und ihr Mann haben ein großes Ziel, für das sie bereit sind, hart zu arbeiten. "Wir möchten in Deutschland neu anfangen." Riman Sabbach will so schnell wie möglich Kurse belegen und dann arbeiten.
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