Wo der Brüllbach rauscht

Hier geht es nicht um die Renaturierung eines Bachlaufes, sondern baulichen Hochwasserschutz im über Jahrzehnte Überschwemmungs-geplagten Raigering. Umso besser, dass beides kaum mehr zu unterscheiden ist, freute sich auch Oberbürgermeister Michael Cerny. Bild: Steinbacher

Nirgendwo lässt sich in der Stadt eine Zeitenwende in der Wasserwirtschaft besser ablesen als in Raigering. Der Weg dorthin war lang und kostspielig. Städtebauliche Ökologie gab es als Nebeneffekt quasi gratis dazu.

(zm) Oberbürgermeister Michael Cerny spricht sogar von einer "neuen Mitte" des in seiner Kernsubstanz noch dörflich geprägten Stadtteils im Amberger Nordosten. Der innerorts einst komplett verrohrte Krumbach-Zufluss Brüllgraben wurde wieder freigelegt. Damit gilt ein umfassendes Hochwasserschutz-Konzept als abgeschlossen. Vor 13 Jahren hatte sich dessen Notwendigkeit mit aller Naturgewalt ihren Weg gebahnt: als Hochwasser-Katastrophe vom August 2002.

Vorher hatte es schon diese Probleme gegeben und nachher auch. Damit soll jetzt Schluss sein. Das Gesamtkonzept, das auch den Krumbach einbezieht und zwei Rückhaltebecken mit einem Gesamtvolumen von 21 500 Kubikmetern umfasst, hat drei Millionen Euro gekostet. An öffentlichen Zuschüssen gab es rund 1,5 Millionen Euro. Cerny ließ am Dienstag keine Zweifel daran, dass ihm und dem Stadtrat das jetzige Ergebnis das auf jeden Fall wert sei.

Naturnah und offen

Denn in den Wochen und Monaten nach dem Hochwasser von 2002 habe sich für die betroffenen Raigeringer nicht nur die Frage gestellt, was für "ein Schaden an Hab und Gut entstanden ist", sondern auch, "wie das Leben an diesem Ort weitergehen soll". Das jetzt abgeschlossene Maßnahmenpaket möchte der Oberbürgermeister als Antwort auf diese durchaus existenzielle Frage verstanden wissen. Ausgelegt ist das Schutzkonzept auf ein 100-jähriges Naturereignis nach der Extremwert-Statistik. Der einst verrohrte Zulaufgraben stellt sich nun als ein naturnah geführter, offener Bachlauf dar. Das relativ stark eingekrebte, gewundene Bett wird an beiden Ufern durch breite, unbebaute Grünflächen flankiert. Als einzige bauliche Engstelle gibt es einen ausreichend dimensionierten Durchstich unter der Forstamtsstraße hindurch. In den Uferbereich einbezogen ist auch ein Kinderspielplatz, und ein im Moment nicht allzu attraktiver, ehemaliger Kleinfeld-Fußballplatz soll zu einem Dorfkern-nahen Bolzplatz aufgemöbelt werden, deutete Cerny an.

Amberg aufgeschlossen

Viel Lob für ihn gab es von dem Leiter des Wasserwirtschaftsamts Weiden, Mathias Rosenmüller. In Amberg renne sein Haus mit seinen Anliegen stets "offene Türen ein", beschrieb er die Stadt als dem Hochwasserschutz gegenüber äußerst aufgeschlossen. Das sei nicht überall so, weil meist erhebliche Kosten auf die Kommunen zukämen. Umso erfreulicher sei, dass hier "die Stadt auch ihre Verantwortung für Gewässer dritter Ordnung sehr ernst nimmt".

Bei Hochwasser-Lagen bis -Katastrophen richte sich das öffentliche Augenmerk stets auf die großen Flüsse, etwa die Donau. Das in Bächen liegende Überschwemmungspotenzial sollte jedoch nicht unterschätzt werden. Zumal es häufig keine Vorwarnanzeichen über Pegelmessstationen gebe und "oft über Nacht" harmlose Bäche zu gefahrenträchtigen Gewässern würden. Und "Ökologie gehört heute dazu", schien auch der Wasserwirtschaftler mit dieser Maßnahme sehr zufrieden zu sein.
Weitere Beiträge zu den Themen: Hochwasser (3437)Juli 2015 (8669)
Schon dabei? Hier anmelden!
Schreiben Sie einen Kommentar zum Beitrag:
Spam und Eigenwerbung sind nicht gestattet.
Mehr dazu in unserem Verhaltenskodex.