Wo Kunden-WC fehlt, bleibt Personaltoilette oft zu, weil immer mehr Ältere kommen
Wenn Oma nicht aufs Klo darf

"Papa, ich muss mal - gaaanz dringend - schnellll!" Au Backe, jetzt pressiert's. Doch bevor sich die Tür zum erlösenden Ort öffnet, hat der Herr einiges an Überredungskunst gesetzt. Die ist nämlich in vielen Supermärkten und größeren Läden nötig, wo es trotz hoher Frequenz kein Kunden-WC gibt. Wenn dort der Nachwuchs beim Einkaufen - eigentlich immer überraschend und brandeilig - aufs Klo muss, heißt es, die Angestellten bezirzen, um hoffentlich die Personaltoilette benutzen zu dürfen. Wer ganz bitterlich weint - die Kinder tun es meistens eh schon - erfährt im besten Fall Verständnis und Einlass.

Neuer Druck der Senioren

Doch es gibt auch Läden, die strikt Nein sagen. Mittlerweile immer mehr, so hat man den Eindruck. Denn offenbar hat sich ein neuer Druck für diese verschlossene, ja fast schon verstopfte Haltung aufgebaut. Es sind nämlich nicht mehr nur Eltern mit Kindern, die Einlass begehren, sondern immer häufiger auch ältere Leute. Klar, die haben oftmals gesundheitliche Probleme oder ganz einfach schwächere Blasen und "müssen" dann - beinahe ebenso dringend und manchmal unkontrollierbar wie Kinder. Und hier schieben augenscheinlich immer mehr Läden einen Riegel vor, weil sie nicht wollen, dass ihre Personalklosetts von immer mehr Menschen benutzt werden. Denn schließlich sind es ja Mitarbeiter- und keine Kunden-WCs, so die Argumentation.

Warum aber, bitteschön, gibt es kaum Kundentoiletten selbst in größeren Läden, wie zum Beispiel den Lebensmittel-Discountern? Erste Antwort: Weil ihnen die Bauordnung bei der Errichtung ihres Ladens das nicht vorschreibt. Das ist auch in Amberg so, wie Stadtpressesprecherin Susanne Schwab bestätigte. Wer nicht muss, muss eben nicht - also bauen. Wiewohl: Ein eigentlich notwendiger Service wäre es schon, meint auch eine Amberger Seniorin, die in ihrem bevorzugten Supermarkt, der Diska an der Sebastianstraße, eine Zeitlang gute Erfahrungen gemacht hat, nun aber auf Granit beißt. Sprich: Noch vor Monaten durfte sie nach eigener Auskunft das Personal-WC in dringenden Fällen benutzen, jetzt nicht mehr.

"Personal schützen"

Der zuständige Bezirksleiter der Edeka-Regionalgesellschaft, zu der auch Diska gehört, sagt zwar, dass die Seniorin das WC "unschön" verlassen habe - so wie niemand zu Hause oder am Arbeitsplatz eine Toilette vorfinden wolle. Doch selbst wenn das offenbar mit der Krankheit der Frau zu tun habe, könne man diesen Zustand den Angestellten nicht zumuten. "Wir müssen unser Personal auch schützen", sagt Clemens Moller. Schließlich müssten seine Leute ja Lebensmittel verkaufen - was auch mit Hygiene zu tun hat - und hätten keine Zeit für Reinigungsarbeiten.
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