Wo Türen und Dächer Luxus sind

Ohne Rollstuhlfahrerin Ellen Galle müsste diese Familie vermutlich immer im Freien kochen. Dank der Ambergerin wird die Küche im Freien durch einen Neubau ersetzt. Auch die Toilette befand sich bisher mitten im Dschungel. Die 75-Jährige sorgte mit den in Amberg und Umgebung gesammelten Spenden auch hier für eine Tür und ein Dach. Bilder: hfz (2)

Ellen Galle kommt auch mit 75 Jahren nicht zur Ruhe. Die an Multipler Sklerose leidende Ambergerin reiste zum wiederholten Mal nach Sri Lanka, um vom Rollstuhl aus dort zu helfen, wo über zehn Jahre nach dem verheerenden Tsunami die Not am größten ist.

Amberg. (tk) Seit 1989 bereist Ellen Galle den Inselstaat Sri Lanka regelmäßig - seit der Naturkatastrophe vom Dezember 2004 aber nicht mehr als Touristin, sondern als Helferin. Die 75-Jährige besucht regelmäßig die Orte, die nicht auf den Einsatzlisten der großen Hilfsorganisationen standen und noch immer nicht stehen. Die Ambergerin wohnt traditionell im Urlaubsort Bentota, der durch die Flutwellen fast vollständig verwüstet worden war und mittlerweile wieder aufgebaut worden ist.

Doch fernab der ausgetretenen Pfade gibt es noch immer viel zu tun. Beispielsweise in einem Dorf, das mitten im Dschungel liegt. Dort war im vergangenen Jahr ein sieben Jahre altes Mädchen urplötzlich in der Schule verschwunden. "Bis heute gibt es keine Spur", erzählt Ellen Galle, die den Eltern zwar ihr Kind nicht wieder zurückbringen, aber einen für Einheimische nicht zu finanzierenden Wunsch erfüllen konnte: "Einen Zaun mit Tor um die Schule."

Rutsche und Karussell

Galle, die mit Spendengeldern in Höhe von 3105 Euro im Gepäck losgeflogen war, sagt: "Ich entschloss mich, für die Sicherheit der Kinder zu sorgen und ließ die Umzäunung und das Tor anfertigen. Eltern, Kinder und Lehrer waren sehr erfreut." Ganz in der Nähe dieser Schule befindet sich ein Kindergarten. Der Leiterin hatte die 75-Jährige im Vorjahr in Aussicht gestellt, eine Rutsche bauen zu lassen. Galle hielt ihr Versprechen und legte noch ein Karussell drauf, auf dem acht Kinder fahren können. Zudem ließ die Rollstuhlfahrerin einen Zaun errichten, der die spielenden Kleinen schützen soll.

Ganz, ganz weit im Dschungel, wo laut Ellen Galle "Affen von einer Palme zur anderen springen, wo kein Auto hinfahren kann", erfuhr sie von einer Familie, die jeweils kein Dach über Küche und Toilette hat. Die Ambergerin verschaffte sich vor Ort einen Eindruck: "Es war viel schlimmer, für uns nicht vorstellbar. Ich besorgte das nötige Baumaterial und es konnte gebaut werden."

Toilette jetzt wasserdicht

Vor ihrem Rückflug sah die Seniorin nach, ob das Geld tatsächlich für den ausgemachten Zweck verwendet wird: "Die Küche war bis aufs Dach fertig, die Toilette hatte bereits Dach und Tür." Sehr zur Freude der elfköpfigen Familie, die nun vor dem nächsten Monsun geschützt ist.
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