Wundersame Rettung

Die älteste Torarolle in der Amberger Synagoge hat Rabbiner Elias Dray nach Israel gebracht. In Jerusalem soll ein Sofer, wie der Toraschreiber genannt wird, sie begutachten und restaurieren. Bilder: Steinbacher (2)
 
Diese Torarolle stammt ursprünglich aus der Sulzbacher Synagoge und gelangte nach deren Auflösung in den Besitz der Amberger Gemeinde. Während der NS-Zeit war sie zusammen mit anderen jüdischen Gegenständen im damaligen städtischen Museum versteckt worden. Wie Kreisheimatpfleger Dieter Dörner weiß, wurde diese Torarolle im Jahre 1793 geweiht.

Die Tora, die fünf Bücher Mose, sind das höchste Gut für gläubige Juden. Im Toraschrein jeder Synagoge werden meist mehrere Rollen aufbewahrt. So auch in Amberg. Fehlerfrei von Hand auf Pergament geschrieben, dienten sie über Jahrhunderte der Lesung in den Gottesdiensten. So auch die älteste Torarolle der Amberger Gemeinde.

Dieter Dörner hat nachgeforscht, was es mit dem Schatz, auf dem "Sulzbach" und die hebräische Jahreszahl "5553" vermerkt sind, auf sich hat. "Wir wissen demnach, dass sie einst Eigentum der Sulzbacher Judengemeinde war und nach christlicher Zeitrechung im Jahr 1793 geweiht wurde", erklärt der Kreisheimatpfleger. Dank der Recherchen von Rabbiner Elias Dray sei heute klar, dass es sich um eine Sulzbacher Torarolle handelt. Sie war nach Auflösung der dortigen Gemeinde nach Amberg gekommen.

Religionslehrer Leopold Godlewsky, über 30 Jahre Oberhaupt der Amberger Gemeinde, hatte laut Dörner viele Freunde unter den Nichtjuden, auch spätere SA-Angehörige. Vermutlich habe er von dieser Seite rechtzeitig einen Wink zum bevorstehenden November-Pogrom 1938 bekommen. So brachte Godlewsky zwei oder drei Torarollen zusammen mit Ritualgegenständen ins Heimatmuseum, das sich damals im Klösterl befand - und damit in Sicherheit.

Verschwiegener Mitwisser

Karl Haberland (Jahrgang 1891), der damals im Klösterl wohnende städtische Angestellte, berichtete, dass er 1942 in eine Wohnung des sogenannten Schlößls (Eichenforstgasse 12, Wirtschaftsamt) eingezogen sei. Dort habe sich das städtische Museum befunden, dessen Verwalter der 1944 verstorbene Oberlehrer Döppl war. Haberland erinnerte sich, dass 1942/43 Döppl einmal zu ihm sagte, er verwahre im Museum Gegenstände der ehemaligen jüdischen Gemeinde. Davon wisse kein Mensch etwas.

Diese Sachen habe ihm der damalige Rabbiner Godlewsky übergeben und gebeten, die Gegenstände bis auf Weiteres aufzubewahren. Dass ihn Döppl ins Vertrauen gezogen habe, begründete Haberland so: "Er wusste, dass ich darüber nichts weiter erzählen werde und ich in dem gleichen Haus, in welchem die Sachen doch aufbewahrt waren, wohnte."

Nach Döppls Tod im Jahre 1944 sagte Haberland zu keinem Menschen etwas. Es sei ihm verboten worden, außerdem hätte die Gefahr bestanden, dass diese Werte vernichtet worden wären. Dörner erzählt, dass einige Monate nach dem Einmarsch der Amerikaner im Amberger Mitteilungsblatt stand, alles, was von der jüdischen Gemeinde herstammen soll, umgehend gemeldet und abgeliefert werden.

Ein großes Schächtmesser

Daraufhin sei Haberland zu Bürgermeister Endemann gegangen und habe ihm von den im Schlößl versteckten Sachen berichtet. Eine Woche später sei der Bürgermeister zu ihm gekommen und habe sich die Gegenstände im Museum angesehen. Einige Zeit später seien zwei amerikanische Soldaten in Begleitung eines Polizeiwachtmeisters erschienen und hätten von Haberland die gesamten Sachen verlangt. Er habe sie ihnen ausgehändigt: Drei bis vier Gebetsrollen, von denen eine aus Pergament war und sich in einer Holzhülle befand, eine Stola nach katholischer Benennung, ein bis zwei Gebetsriemen, drei Blasinstrumente aus Horn, ein großes Schächtmesser.

Schon einige Wochen vorher hatte Habermann einige Gegenstände bei Bürgermeister Endemann abgegeben, so Dörner. Dabei habe es sich um rund zehn silberne Anhänger mit hebräischen Hieroglyphen und einen vergoldeten Schlüssel gehandelt. "Ich nehme an, dass die in beiden Fällen abgegebenen Gegenstände der jüdischen Gemeinde zugeführt wurden", sagte Haberland einst. Denn er sei vom damaligen Rabbiner zur Eröffnung der Synagoge eingeladen worden und habe an der Feier teilgenommen. "Bei dieser Gelegenheit konnte ich sogar einige Sachen wiedererkennen."
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