Zahlen leuchten in tiefem Rot

Gespannte Aufmerksamkeit herrscht beim Referat von Dr. Günther Breitenbach, dem Rektor der Rummelsberger Diakonie, der über die Zukunftschancen von Wohlfahrtsverbänden sprach. Bild: hfz

Die Bilanz ist sehr ernüchternd: Rote Zahlen überall, der Diakonieverein schreibt durchgängig Verluste. Nun soll es die Politik richten.

Dr. Günter Breitenbach, Rektor der Rummelsberger Diakone, stellte bei der Jahreshauptversammlung des Diakonievereins die entscheidende Frage: Können die Wohlfahrtsverbände in Zukunft überleben? Kirche, Staat und Bürgerschaft seien Träger sozialer wie diakonischer Gesellschaftsaufgaben. In der sozialen Marktwirtschaft habe der Staat mit der Privilegierung der gemeinnützigen Träger Hervorragendes geleistet. Seit vielen Jahren werde das Soziale allerdings, mit Blick auf die öffentlichen Haushalte, immer mehr zur Eigenverantwortung und als Marktphänomen erklärt.

Eigenvorsorge gefragt

Verstärkte Eigenvorsorge der Einzelnen sei gefordert. Die freie Wohlfahrtspflege habe versucht, sich auf diese Entwicklung in Organisation und Wettbewerb einzustellen. Jetzt aber sei der deutliche Ruf überfällig, dass es so nicht funktioniert. Seit Jahren werde der Pflegenotstand angeprangert. Aber nicht nur die Finanzierung der Pflege, sondern auch die der Kindertagesstätten gerate zunehmend unter Druck.

"Verbesserungen zeichnen sich ab, ob sie ausreichen werden, hängt vom guten Willen der Landesregierung und der Kommunen ab." Der Wert der freien Wohlfahrtspflege (ohne Gewinninteresse) habe sich als hohes Gut für den Zusammenhalt unserer Gesellschaft erwiesen. Eine Gesellschaft, die diesen Schatz für die Entlastung öffentlicher Haushalte verkaufe, wäre nach Ansicht von Günter Breitenbach nicht zukunftsfähig.

Die Vorsitzenden Siegfried Balzer und Karl-Heinz Irmer berichteten über die einzelnen Handlungsfelder. Das Seniorenheim der Diakonie ist beliebt und hoch ausgelastet. Trotzdem bereitet es Sorge. Gesetze würden die Sanierung der älteren Gebäudeteile fordern, öffentliche Förderung werde aber nicht mehr gewährt. Die Finanzierung zu stemmen, sei nun Hauptaufgabe. Die Diakoniestation, der ambulanter Pflegedienst, erfreue sich einer stabilen Nachfrage, kämpfe aber nach wie vor mit der Finanzierung. Neue Software und mobile Erfassungsgeräte sollen die Effizienz verbessern. Zunächst aber erfordere die Umstellung zusätzliche Kraft.

Die Kindertagesstätten (Arche Noah in Kümmersbruck und Am Schelmengraben, Am Kochkeller und die Gailoher Kieselsteinchen in Amberg) seien alle sehr gut ausgelastet. Die Finanzierung über das Bayerische Kinderbildungs- und betreuungsgesetz bleibe seit Jahren hinter der Entwicklung der Personalkosten zurück. "Wir hoffen, dass der nun von der Regierung eingeführte Qualitätsbonus plus mit Unterstützung der Kommunen die ersehnte Entlastung bringt."

Der Bericht des Schatzmeisters Jörg Kießkalt für 2013 war "sehr ernüchternd". Alle Fachbereiche würden rote Zahlen schreiben, die auch mit Einnahmen und Spenden des Vereins bei weitem nicht ausgeglichen werden könnten. Die Hoffnung richte sich auf die Zusagen der Politik, Effizienzverbesserungen und auf mehr Spenden, damit der Trend endlich umgekehrt werden könne.

Ehre für Werner Berndt

Abschließend gab es eine besondere Ehrung für Werner Berndt mit der Ehrenurkunde und dem goldenen Kronenkreuz der Diakonie für seine langjährigen, außerordentlichen Verdienste. Sein Engagement beim Bau der Kita Gailoh und dem Neubau des Seniorenheimtraktes an der Schweigerstraße, seine Tätigkeit als Schatzmeister und sein Wirken als Chronist und Pfleger der Homepage, seien nur einige Schlagworte in einer langen Liste seiner fast 20-jährigen ehrenamtlichen Tätigkeit als Vorstandsmitglied, so hieß es.
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