"Zeitlange" Lebenslinien

Diese Zuneigung zu Menschen und Orten dieser Region ist durchaus spürbar in den quadratischen Arbeiten von Angelina Konrad, die wie eine Wandzeitung, Bild an Bild, an den Wänden der Amberger Stadtgalerie "Alte Feuerwache" angebracht sind und eine Lebenslinie ziehen.

"Willkommen in der alten Heimat." Mit diesen Worten wurde die Künstlerin Angelina Konrad bei der Ausstellungseröffnung "Zeitlang" in der Stadtgalerie "Alte Feuerwache" von Bürgermeisterin Brigitte Netta begrüßt, die sich spontan von den Motiven angesprochen fühlte. Anregend und beruhigend gleichermaßen empfinde sie die dargestellten Szenen. Angelina Konrad wurde 1961 in Weiden geboren, besuchte das Max-Reger-Gymnasium in Amberg, wo sie auch ihr Abitur machte. Von 1983 bis 2002 hatte sie ihr Atelier in Köln, seit 2003 lebt sie in Rhöndorf. Und doch hegt sie noch eine große Liebe für die Oberpfalz, erzählt die sympathische Künstlerin bei der gut besuchten Vernissage am Donnerstagabend .

Quadratische Arbeiten

Die Zuneigung zu Menschen und Orten dieser Region sind durchaus spürbar in den quadratischen Arbeiten, die wie eine Wandzeitung aufgehängt sind und eine Lebenslinie ziehen. Kindheits-, Jugend- und Familienfotos sind der Ausgangspunkt ihrer künstlerischen Arbeit, die sie nicht nostalgisch verklärt, sondern spannend und spontan zu gültiger Kunst wandelt.

Mit detaillierten, kenntnisreichen und äußerst interessanten Informationen bereicherte Kunsthistorikerin Gudrun von Schoenebeck mit ihrer Einführung den Abend. "Zeitlang 1" und "Zeitlang 2" nennt Angelina Konrad die beiden Serien. "Sie unterscheiden sich vor allem in der Technik, die auch das Erscheinungsbild beeinflusst", erklärt die Expertin. Entstanden sind die Exponate in den letzten Monaten.

Die Motive sind nicht aufregend, sondern "mehr oder weniger alltägliche Szenen": Zwei Mädchen auf der Wippe, eine Fahrt auf dem Kettenkarussell, drei Grazien im Zimmer oder ein Mädchen füttert ein Pony. Und schon werden vertraute Erinnerungen geweckt, die auch noch mit der Fußnote "Wolfringmühle 1971" oder "Amberg 1973" manifestiert werden. "Es scheint, als hätten wir alles schon einmal gesehen oder sogar selbst erlebt", fährt die Kunsthistorikerin fort und erläutert die unterschiedlichen Techniken.

Gespür für Komposition

Einmal schneidet die Künstlerin die Motive in die äußere Bodenseite von vorgefertigten Holzkästen. Dann verwendet Konrad Linolplatten, die sie in Rahmen hinter Glas präsentiert. Immer zeigt sie "großes Gespür für die Bildkomposition". Eine Besonderheit bilden die Musterspiele auf etlichen der Serie-eins-Bilder. Sie sind mit Strukturwalzen entstanden, die zwischen 1940 und 1970 zur Wandgestaltung äußerst beliebt waren. Die Künstlerin hat sie nun für ihre Arbeiten entdeckt und bereits eine beachtliche Sammlung solcher Walzen angelegt.

Die auf den ersten Blick monochromen Linolschnitte leben von der Pastell-Kolorierung. Diese Serie hat Angelina Konrad tatsächlich in einer Farbabfolge von rot über blau zu gelb gehängt, was noch einmal zu vielerlei Interpretation Anstoß gibt. Auf jeden Fall ein vergnügliches Blättern durch ein Kunstalbum von Menschen, Geschichten und Stimmungen einer ganz besonderen Lesart, die beim Publikum sehr gut ankam.

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Die Ausstellung in der Stadtgalerie Alte Feuerwache mit dem Titel "Zeitlang" mit Arbeiten von Angelina Konrad dauert bis 30. November. Der Zugang ist über den Eingang des Stadtmuseums (Zeughausstraße 18) möglich. Der Eintritt ist frei. Die Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag von 11 bis 16 Uhr. Samstag und Sonntag von 11 bis 17 Uhr.
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