Zu spät heimgekehrt
Angemerkt

Besser spät, als nie! Wer die Arbeit des Stadtrats beobachtet, möchte Dr. Klaus Ebenburger das alte Sprichwort zugute halten. Nach rund zwei Jahrzehnten als Galionsfigur der Freien Wähler hat er seine politische Heimat bei den Grünen gefunden. Aus Sicht der Öko-Partei reichlich, vielleicht sogar zu spät. Dass sich Ebenburger mit grünen Themen hervorgetan hat, ist nicht zu leugnen. Unvergessen sind die Scharmützel, die er sich in seinen 19 Jahren als FW-Stadtrat mit dem früheren Oberbürgermeister Wolfgang Dandorfer und der CSU über das geplante Industriegebiet bei Atzlricht geliefert hat. Schade für die Grünen: Er hat deren Inhalte vertreten, aber der Partei geschadet. Die Stimmen, die für Ebenburger abgegeben wurden, landeten nun mal bei den Freien Wählern und nicht bei der Sonnenblumen-Partei.

Ebenburgers Hinweis, die kleinen Gruppierungen im Stadtrat seien ja in gewisser Weise eine Familie, klingt wie der Versuch, das zu kaschieren. Mag sein, dass bei der Kommunalwahl stärker als bei anderen Urnengängen Persönlichkeiten eine Rolle spielen. Dennoch dürfen die Wähler aus der Parteizugehörigkeit eine programmatische Einordnung erwarten - ein Feld, auf dem insbesondere die FW Nachholbedarf haben.

Die Opposition im Stadtrat ist keine homogene Gemeinschaft, sonst wäre sie nicht aufgespalten in Grüne, ÖDP, Freie Wähler, FDP und Bunte. Und dass der Haussegen zwischen den einzelnen Gruppierungen gehörig schief hängt, belegen nicht zuletzt die Vorwürfe gegen Stadtratskollegen Eberhard Meier.

uli.piehler@zeitung.org

Reaktionen Freien Wählern "geschadet"

Amberg. (kan) Die Freien Wähler haben ihren zu den Grünen gewechselten Ex-Vorsitzenden Dr. Klaus Ebenburger offiziell ausgeschlossen. Dieser habe der Wählervereinigung am 13. August per Mail mitgeteilt, dass er sie mit sofortiger Wirkung verlasse, hielt Schriftführer Erwin Niklaus in einer Presseerklärung fest. Dies wäre jedoch nach Satzung nur zum Ende des Kalenderjahres möglich. Der sofortige Ausschluss sei erfolgt, weil Ebenburger zu den Grünen gegangen ist und dem Ansehen der FW mit seinen öffentlichen Äußerungen "geschadet hat". Die gegen FW-Mitglieder erhobenen Vorwürfe weise der Vorstand zurück. Man distanziere "sich ausdrücklich von der Wortwahl, mit der Dr. Ebenburger seine politischen Ansichten vertritt, insbesondere auch von seinen persönlichen Angriffen gegen Stadträte und Amtsträger".
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