Zum 70-jährigen Bestehen des Bauernverbandes wird klar: In Zeiten des Hungers war Ansehen des ...
Geschenkt bekommt der Landwirt nichts

Im Tretschlepper-Parcours konnten die Kinder Geschick und Schnelligkeit beweisen. Bild: gf
Schwere Zeiten seien es vor 70 Jahren gewesen, als der Bayerische Bauernverband (BBV) gegründet wurde, sagte BBV-Bezirkspräsident Franz Kustner am Sonntag beim Tag der offenen Tür der BBV-Geschäftsstelle Amberg. Mit einer Ausstellung landwirtschaftlicher Maschinen sowie Infoständen der BBV-Tochterunternehmen feierte der BBV-Kreisverband 70. Geburtstag.

Bei der ökumenischen Erntedankandacht unterstrich Pfarrer Markus Brunner (St. Georg Amberg), dass der Bauernstand seit eh und je eng mit Gott und seiner Schöpfung verbunden sei. Heute vergäßen viele, was die Bauern für die Gesellschaft leisteten. Fast alle würden wir im Überfluss leben, fast alle hätten reichlich zu essen und fast alle hätten vergessen, dafür Dank zu sagen.

Pfarrer Joachim von Kölichen (Paulanergemeinde) erinnerte an das Gleichnis vom Sämann. Gerne habe Jesus bäuerliche Vergleiche benutzt, um so Rückgriff auf die göttliche Schöpfung zu nehmen. Den Unterschied, was geschenkt sei und was erarbeitet, kenne der Landwirt, besonders in Zeiten wie der aktuellen Trockenheit. Heute könne man sich nicht vorstellen, wie die Menschen vor 70 Jahren hungerten. "Wir nehmen es als selbstverständlich hin, im Überfluss zu leben, während in anderen Teilen der Erde eine Milliarde Menschen Hunger leidet."

Mit Humor überspielten Brunner und von Kölichen den Mikrofonausfall, wobei der katholische Geistliche betonte, dass er seinem evangelischen Kollegen keinesfalls das Wort nehmen wollte. Umrahmt wurde die Andacht von der Saitengruppe aus Gebenbach und vom Ortsbäuerinnenchor unter Maria Hirsch.

In Kurzform ging Franz Kustner auf den BBV ein, der seine Aufgabe erfüllt habe, die Bauernschaft zusammenzuhalten, um die Ernährung der Bevölkerung zu sichern. Der BBV habe sich stets fortentwickelt und sei heute eine allseits anerkannte Institution, die mit Waldbesitzern, Maschinenring oder Molkereien kooperiere. Auch in Zukunft brauche die Gesellschaft gut ausgebildete Bauern, damit genügend Nahrungsmittel zur Verfügung stünden.

Kreisbäuerin Brigitte Trummer meinte, dass es keinen weiteren Berufsstand gebe, der sich so wie der des Landwirts verändert habe. Trotz der abverlangten Multifunktionalität werde der Landwirt an den Rand der Gesellschaft gedrängt, wodurch generationsübergreifende Probleme in den bäuerlichen Familien neben betriebswirtschaftlichen Schwierigkeiten aufträten. Dazu käme die Arbeitsbelastung.

Das Bistum Regensburg habe eine Beratungsstelle für bäuerliche Familien ins Leben gerufen und dafür, so Trummer, wolle sie der Landkreisbeauftragten der Katholischen Landvolkbewegung, Brigitte Englhard, 300 Euro überreichen, die bei den Landfrauentagen gesammelt wurden.
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